Sterilitätstherapien greifen zum Teil sehr stark in den weiblichen Körper ein. Unangenehme Nebenwirkungen bis hin zu ernsthaften Komplikationen können auftreten. Vor allem die Behandlung mit Hormonpräparaten zur Stimulierung der Eizellreifung und Eingriffe zur Diagnostik und Therapie stellen ein Risiko dar.
Gefahr der Überstimulation
Die hormonelle Stimulation wird sehr sorgfältig überwacht, weil der Körper der Frau "überreagieren" kann. Bei einem so genannten Überstimulationssyndrom produzieren die Eierstöcke sehr viele und sehr große Eibläschen. Würde das Paar in dieser Situation miteinander schlafen, könnten Drillinge, Vierlinge oder noch mehr Föten entstehen. Komplikationen der Schwangerschaft und Probleme für die Kinder wären die Folge. Aus diesem Grund raten Mediziner bei starker Überstimulation dringend vom Geschlechtsverkehr ab.
Bei einer schweren Überstimulation vergrößern sich die Eierstöcke sehr stark und die Eibläschen produzieren zu viele Hormone. Der Frau kann übel werden, sie kann Schmerzen haben und es kann sich Flüssigkeit im Bauch ansammeln. Auch Atemnot und Störungen der Blutgerinnung sind möglich. Ist die Überstimulation sehr stark, muss sich die Frau in einer Klinik behandeln lassen.
Eine gute Aufklärung ist wichtig
Sehr selten können auch die operativen Eingriffe, die für die Diagnostik und Therapie notwendig sind, Komplikationen nach sich ziehen. Bei der Eizellentnahme besteht das Risiko einer bakteriellen Infektion der Eierstöcke. Durch die Punktion können die Blase, der Darm und die großen Blutgefäße im Becken verletzt werden. Auch bei Eingriffen zur Gewinnung von Samenzellen aus den Hoden oder Nebenhoden besteht Verletzungsgefahr.
Die Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, über die gesundheitlichen Risiken der Behandlungsmethoden und der verschiedenen Behandlungsschritte aufzuklären. Wer die ärztliche Aufklärung nicht versteht, sollte unbedingt nachfragen. Auch wenn der Wunsch nach einem eigenen Kind sehr stark ist, ist es wichtig, die eigene Gesundheit im Blick zu behalten und Körper und Seele nicht zu viel zuzumuten.
Belastungen während der Therapie
Eine Kinderwunschbehandlung kann jeden Einzelnen und die Partnerschaft ernsthaft belasten. Einerseits sind da die strapaziösen Untersuchungen, Medikamente und Eingriffe. Andererseits muss das Paar in dieser Zeit einen großen Teil seines Lebens auf die Therapie abstimmen – manchmal sogar über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Die Termine für Kontrolluntersuchungen und Behandlungen sind häufig schwer mit beruflichen Verpflichtungen vereinbar, insbesondere wenn das Paar die Behandlung vor dem Arbeitgeber und/oder den Kolleginnen und Kollegen geheim halten will.
Auch die partnerschaftliche Beziehung kann unter den medizinischen Therapien leiden. Das passiert ganz besonders dann, wenn der Durchhaltewille der Partner unterschiedlich ausgeprägt ist. Und Sex nach Plan kann zu Lustlosigkeit bis hin zu sexuellen Störungen führen. Es ist ratsam, vor jeder neuen Therapie-Phase gemeinsam zu entscheiden, ob die Behandlung fortgesetzt werden soll, eine Pause nötig ist oder die Behandlung beendet werden sollte.
Die Hoffnung kann in Enttäuschung umschlagen
Die Wartezeit nach der Eizellentnahme und nach dem Embryotransfer bei IVF erfordert viel Geduld. Insbesondere nach dem Embryotransfer vergehen rund zwei Wochen voll innerer Anspannung, bis der Arzt oder die Ärztin feststellen kann, ob eine Schwangerschaft eingetreten ist. Auch ist es keineswegs sicher, dass sich die Schwangerschaft weiterentwickeln wird. Stellt sich dann doch wieder die Monatsblutung ein, können sich Enttäuschung und Niedergeschlagenheit einstellen. Die beiden Partner müssen erst wieder Kraft für einen neuen Behandlungszyklus sammeln. Die Gefühlsschwankungen während der Behandlung können sehr heftig sein. Eine psychologische Begleitung in dieser Zeit kann stärken und unterstützen. So bieten beispielsweise die anerkannten Schwangerschaftsberatungsstellen auch Beratung und Unterstützung für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch an. Darüber hinaus kann der persönliche Austausch mit anderen Betroffenen im Rahmen einer Selbsthilfegruppe hilfreich sein.
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Häufig gestellte Fragen
Wie kann ich herausfinden, welche Behandlungsmethode die richtige ist?
Welche Behandlungsmethode individuell am besten geeignet ist, hängt zum einen von der Ursache der Fruchtbarkeitsstörung ab, zum anderen auch davon, in welchem Umfang das Paar bereit ist, die zeitlichen, gesundheitlichen und psychischen Belastungen einer Fruchtbarkeitsbehandlung auf sich zu nehmen.
Welche Behandlungsverfahren überhaupt infrage kommen, kann erst nach einer gründlichen ärztlichen Untersuchung entschieden werden. Wird dann eine bestimmte Methode vorgeschlagen, ist es empfehlenswert, sich bei der Ärztin oder dem Arzt genau über das Vorgehen, die Behandlungsdauer, die Erfolgschancen und etwaige Risiken zu informieren.
Auch eine kurzzeitige psychologische Beratung kann bei der Entscheidungsfindung helfen und das Paar seelisch unterstützen. Die in der Beratungsstellen-Datenbank befindlichen anerkannten Schwangerschaftsberatungsstellen helfen auch beim Thema "Unerfüllter Kinderwunsch". Sie können bei der Suche nach einer geeigneten Praxis oder Klinik behilflich sein und bieten außerdem psychologische Begleitung während der Fruchtbarkeitsbehandlung.
Gibt es eine Altersgrenze für eine Kinderwunschbehandlung?
Die gesetzlichen Krankenkassen machen die anteilige Kostenübernahme für eine IVF-Behandlung auch vom Alter des Paares abhängig. Frauen und Männer dürfen frühestens im Alter von 25 Jahren mit einer IVF-Behandlung beginnen. Das Höchstalter der Frau ist auf 40 Jahre, das Höchstalter des Mannes auf 50 Jahre festgesetzt.
Es gibt jedoch Frauen und Paare, die jenseits dieser Altersgrenzen eine Fruchtbarkeitsbehandlung wünschen und privat bezahlen. Für eine aussichtsreiche Behandlung ist es vor allem wichtig, dass die Eierstöcke der Frau auf eine Hormonbehandlung mit der Bildung von befruchtungsfähigen Eizellen reagieren.
Der biologische Alterungsprozess ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Deshalb lässt sich keine genaue Altersgrenze festlegen, bis zu der eine IVF-Behandlung erfolgreich sein kann. Ältere Frauen und Männer mit Fruchtbarkeitsproblemen müssen sich jedoch eher darauf einstellen, dass sie auch mit einer Behandlung möglicherweise nicht mehr schwanger werden können. Auch die Rate an Fehlgeburten nimmt mit den Jahren zu.
Wieso ist eine künstliche Befruchtung nicht immer erfolgreich?
Die In-vitro-Fertilisation (IVF) und die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) sind seit Jahren erprobte Methoden, aber sie sind sehr komplex und damit störungsanfällig. Es kommt öfter vor, dass einzelne Schritte nicht gelingen.
Zum Beispiel entwickeln sich nicht immer befruchtungsfähige Eizellen, oder es findet keine Befruchtung statt. Es kann auch sein, dass sich nach der Übertragung befruchteter Eizellen kein Embryo in der Gebärmutter einnistet. Die Ursachen für das Versagen der Behandlung sind sehr unterschiedlich und lassen sich nicht immer genau feststellen.
Ist das Risiko für kindliche Fehlbildungen nach einer künstlichen Befruchtung erhöht?
Bei natürlich gezeugten Kindern kommt es bei etwa jeder 15. Schwangerschaft zu einer kindlichen Fehlbildung, nach einer künstlichen Befruchtung bei jeder zwölften. Unklar ist jedoch, ob die erhöhte Fehlbildungsrate eine Folge der Fruchtbarkeitsbehandlung ist oder mit den Risikofaktoren zusammenhängt, die die Eltern mitbringen. Viele Fachleute halten die erhöhte Fehlbildungsrate eher für die Folge der Störung, die zur Unfruchtbarkeit geführt hat.
Nach Fruchtbarkeitsbehandlungen kommt es zudem häufiger zu Mehrlingsschwangerschaften. Da Mehrlinge oft zu früh geboren werden, erhöht sich auch hier das Risiko für körperliche und geistige Beeinträchtigungen.
Allgemein wird davon ausgegangen, dass das Fehlbildungsrisiko bei den Behandlungsmethoden In-vitro-Fertilisation (IVF) und Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) in etwa gleich ist. Bei beiden Methoden treten vermehrt Herzfehler, Lippen- und Gaumenspalten und Fehlbildungen des Verdauungstraktes auf.

