Ein hormonelles Ungleichgewicht bei der Frau kann die Entstehung einer Schwangerschaft erschweren. Beispielsweise kann eine Fehlfunktion der Schilddrüse oder eine Überproduktion des Hormons Prolaktin (Hyperprolaktinämie) vorliegen, oder es werden zu viele männliche Hormone gebildet (Hyperandrogenämie). Je nach Hormonstörung werden Medikamente mit spezifischer Wirkungsweise eingesetzt, um eine günstigere hormonelle Situation herzustellen, die eine Schwangerschaft fördert. Bei starkem Übergewicht und daraus folgender Hyperandrogenämie kann die Frau ihren Hormonhaushalt häufig auf natürliche Weise normalisieren, indem sie abnimmt. Auch starkes Untergewicht kann die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Bei Gewichtsproblemen ist es hilfreich, eine Ernährungsberatung in Anspruch zu nehmen.
Hormonelle Stimulierung
Bei Frauen mit Zyklusproblemen werden häufig Medikamente eingesetzt, die das Reifen der Eizellen anregen. Ultraschalluntersuchungen und die Bestimmung von Hormonwerten im Blut geben Auskunft über die Größe und Reife der Eizelle. Zum richtigen Zeitpunkt wird der Eisprung durch die Gabe eines weiteren Hormons ausgelöst. Dann wird eine Empfehlung gegeben, zu welchem Zeitpunkt das Paar miteinander Geschlechtsverkehr haben sollte.Wenn bei der Ultraschalluntersuchung festgestellt wird, dass zu viele Eizellen herangereift sind, darf das Paar nicht miteinander schlafen. Eine Schwangerschaft mit Drillingen, Vierlingen oder gar Fünflingen könnte die Folge sein. Solche so genannten höhergradigen Mehrlingsschwangerschaften sind für die Gesundheit der Frau und der Kinder riskant.
Die hormonelle Stimulation wird in der Kinderwunschbehandlung häufig eingesetzt, sie ist auch Bestandteil anderer Sterilitätsbehandlungen. Hormonpräparate können bei Fruchtbarkeitsproblemen eine Chance bieten, es können jedoch unangenehme Nebenwirkungen auftreten, und sie sind nicht ohne Risiken. So kann es etwa bei der hormonellen Stimulation zu einem so genannten Überstimulationssyndrom kommen. Dabei können sich Eierstöcke vergrößern, oder es entstehen zu viele und zu große Eibläschen, oder die Eibläschen produzieren zu viele Hormone. Ein Überstimulationssyndrom verursacht Bauchschmerzen, Übelkeit, Spannungsgefühle im Bauch und Kurzatmigkeit, im Extremfall kann es sogar lebensbedrohlich werden.
Kosten einer Hormonbehandlung
Die Kosten für Medikamente zur Hormonkorrektur und Stimulation der Eizellreifung (ohne Samenübertragung und künstliche Befruchtung) werden von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Auch eine Ernährungsberatung bei Gewichtsproblemen wird im Allgemeinen von den Krankenkassen bezahlt.
Weiterführende Informationen
- Deutsches IVF-Register
Das Deutsche IVF-Register erhebt zum Zweck der Qualitätssicherung seit 1992 Daten aus dem Bereich der Reproduktionsmedizin. Neben fachlichen Informationen bietet die Seite unter der Rubrik "Zentren" eine umfangreiche Liste von Kliniken und Praxen in Deutschland, die im Bereich der Reproduktionsmedizin tätig sind. Weiterführende Links verweisen auf die jeweiligen Informationsangebote der Einrichtungen im Internet. (Recherchedatum: 27.10.2011)
- Richtlinien des gemeinsamen Bundesausschusses über ärztliche Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist ein Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärztinnen und Ärzten, Krankenkassen und Krankenhäusern. Seine Aufgabe ist es zu konkretisieren, welche ambulanten oder stationären medizinischen Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind und somit zum Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung gehören. Auf dieser Seite können die Richtlinien des Ausschusses über ärztliche Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung als PDF-Dokument heruntergeladen werden. (Recherchedatum: 04.11.2011)
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Häufig gestellte Fragen
Wie kann ich herausfinden, welche Behandlungsmethode die richtige ist?
Welche Behandlungsmethode individuell am besten geeignet ist, hängt zum einen von der Ursache der Fruchtbarkeitsstörung ab, zum anderen auch davon, in welchem Umfang das Paar bereit ist, die zeitlichen, gesundheitlichen und psychischen Belastungen einer Fruchtbarkeitsbehandlung auf sich zu nehmen.
Welche Behandlungsverfahren überhaupt infrage kommen, kann erst nach einer gründlichen ärztlichen Untersuchung entschieden werden. Wird dann eine bestimmte Methode vorgeschlagen, ist es empfehlenswert, sich bei der Ärztin oder dem Arzt genau über das Vorgehen, die Behandlungsdauer, die Erfolgschancen und etwaige Risiken zu informieren.
Auch eine kurzzeitige psychologische Beratung kann bei der Entscheidungsfindung helfen und das Paar seelisch unterstützen. Die in der Beratungsstellen-Datenbank befindlichen anerkannten Schwangerschaftsberatungsstellen helfen auch beim Thema "Unerfüllter Kinderwunsch". Sie können bei der Suche nach einer geeigneten Praxis oder Klinik behilflich sein und bieten außerdem psychologische Begleitung während der Fruchtbarkeitsbehandlung.
Wo finde ich andere Menschen, die auch einen unerfüllten Kinderwunsch haben?
Das Internet bietet mit Foren und Chats zum Thema Kinderwunsch vielfältige Möglichkeiten, mit anderen Betroffenen in Kontakt zu treten, auch anonym. Eine Anlaufstelle für das direkte Gespräch sind Selbsthilfegruppen, die sich in vielen Regionen Deutschlands gebildet haben.
Adressen sind über nationale Kontakt- und Informationsstellen von Selbsthilfegruppen wie NAKOS oder das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland zu erfahren. Auch pro familia, die Schwangerenberatungsstellen, Frauengesundheitszentren und spezialisierte Arztpraxen halten in der Regel Informationen über Selbsthilfegruppen oder andere Gruppenangebote bereit.
Ich muss meinen Samen untersuchen lassen - was kommt dabei auf mich zu?
Um die Fruchtbarkeit seines Spermas untersuchen zu lassen, muss der Mann eine Probe davon abgeben. Dazu befriedigt er sich selbst und fängt die Samenflüssigkeit (Ejakulat) in einem Behältnis auf. In der Regel haben urologische, andrologische und Kinderwunschpraxen für diesen Zweck einen ansprechend gestalteten Raum.
Für die Angestellten in der Praxis ist dieser Vorgang Routine. Männern fällt es dennoch manchmal schwer, in den Räumen einer Praxis oder einer Klinik zu masturbieren. Die meisten Labors sind in diesen Fällen einverstanden, wenn eine Samenprobe von zu Hause in die Praxis mitgebracht wird - vorausgesetzt, der Anfahrtsweg ist nicht zu lang.
Das Ejakulat muss frisch sein und in einem ganz sauberen Behälter transportiert werden. Hitze, Kälte und Sonnenlicht schaden dem Sperma. Die Einzelheiten des Transports werden mit der jeweiligen Praxis besprochen.

