Die In-vitro-Maturation ist eine neue, im Erprobungsstadium befindliche Methode der künstlichen Befruchtung, bei der unreife Eizellen aus den Eierstöcken der Frau entnommen werden und in einem mit Hormonen angereicherten Kulturmedium nachreifen. Das weitere Verfahren entspricht der In-vitro-Fertilisation (IVF) oder der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI): Nach zwei Tagen werden Samenzellen und gereifte Eizellen im Reagenzglas zusammengebracht oder die Samenzellen direkt in die gereiften Eizellen injiziert. Nach Befruchtung und Zellteilung werden die Embryonen in die Gebärmutter der Frau eingebracht.
Auf diese Weise kann auf die bei der In-vitro-Fertilisation notwendigen Hormonpräparate zur Stimulierung der Eizellreifung weitgehend verzichtet werden. Insbesondere für Frauen, die diese Hormonpräparate nicht vertragen, wäre die In-vitro-Maturation eine Möglichkeit, dennoch eine künstliche Befruchtung vornehmen zu lassen. Allerdings sind bisher nur wenige Fälle bekannt, in denen eine Schwangerschaft durch In-vitro-Maturation herbeigeführt werden konnte.
Weiterführende Informationen
- Durch künstliche Befruchtung zum Kind
Wenn eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg nicht möglich ist, kann in vielen Fällen die Natur "ausgetrickst" werden, indem die Befruchtungsvorgänge in ein Labor verlagert werden. Die Methode verlangt den Betroffenen aber Geduld und Einsatz ab.
- Der Ablauf eines IVF-Behandlungszyklus
Eine In-vitro-Fertilisation spielt sich nicht nur im Labor ab. Auch eine Hormonbehandlung und medizinische Eingriffe gehören zur Therapie.
- Die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)
Die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion kann Männern, deren Samenzellen sehr schwach sind, zu einem genetisch eigenen Kind verhelfen.
- Gamete Intrafallopian Transfer (GIFT)
Beim Gamete Intrafallopian Transfer (GIFT) werden Methoden der Samenübertragung (Insemination) und der In-vitro-Fertilisation (IVF) miteinander kombiniert.
- DGGG-Meldung zur In-vitro-Maturation
Im Dezember 2005 wurde das erste Kind in Deutschland geboren, das durch eine In-vitro-Maturation gezeugt worden ist. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe erläutert das neue Verfahren. (Recherchedatum: 27.10.2011)
- Deutsches IVF-Register
Das Deutsche IVF-Register erhebt zum Zweck der Qualitätssicherung seit 1992 Daten aus dem Bereich der Reproduktionsmedizin. Neben fachlichen Informationen bietet die Seite unter der Rubrik "Zentren" eine umfangreiche Liste von Kliniken und Praxen in Deutschland, die im Bereich der Reproduktionsmedizin tätig sind. Weiterführende Links verweisen auf die jeweiligen Informationsangebote der Einrichtungen im Internet. (Recherchedatum: 27.10.2011)
- Richtlinien des gemeinsamen Bundesausschusses über ärztliche Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist ein Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärztinnen und Ärzten, Krankenkassen und Krankenhäusern. Seine Aufgabe ist es zu konkretisieren, welche ambulanten oder stationären medizinischen Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind und somit zum Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung gehören. Auf dieser Seite können die Richtlinien des Ausschusses über ärztliche Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung als PDF-Dokument heruntergeladen werden. (Recherchedatum: 04.11.2011)
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Häufig gestellte Fragen
Wie kann ich herausfinden, welche Behandlungsmethode die richtige ist?
Welche Behandlungsmethode individuell am besten geeignet ist, hängt zum einen von der Ursache der Fruchtbarkeitsstörung ab, zum anderen auch davon, in welchem Umfang das Paar bereit ist, die zeitlichen, gesundheitlichen und psychischen Belastungen einer Fruchtbarkeitsbehandlung auf sich zu nehmen.
Welche Behandlungsverfahren überhaupt infrage kommen, kann erst nach einer gründlichen ärztlichen Untersuchung entschieden werden. Wird dann eine bestimmte Methode vorgeschlagen, ist es empfehlenswert, sich bei der Ärztin oder dem Arzt genau über das Vorgehen, die Behandlungsdauer, die Erfolgschancen und etwaige Risiken zu informieren.
Auch eine kurzzeitige psychologische Beratung kann bei der Entscheidungsfindung helfen und das Paar seelisch unterstützen. Die in der Beratungsstellen-Datenbank befindlichen anerkannten Schwangerschaftsberatungsstellen helfen auch beim Thema "Unerfüllter Kinderwunsch". Sie können bei der Suche nach einer geeigneten Praxis oder Klinik behilflich sein und bieten außerdem psychologische Begleitung während der Fruchtbarkeitsbehandlung.
Gibt es eine Altersgrenze für eine Kinderwunschbehandlung?
Die gesetzlichen Krankenkassen machen die anteilige Kostenübernahme für eine IVF-Behandlung auch vom Alter des Paares abhängig. Frauen und Männer dürfen frühestens im Alter von 25 Jahren mit einer IVF-Behandlung beginnen. Das Höchstalter der Frau ist auf 40 Jahre, das Höchstalter des Mannes auf 50 Jahre festgesetzt.
Es gibt jedoch Frauen und Paare, die jenseits dieser Altersgrenzen eine Fruchtbarkeitsbehandlung wünschen und privat bezahlen. Für eine aussichtsreiche Behandlung ist es vor allem wichtig, dass die Eierstöcke der Frau auf eine Hormonbehandlung mit der Bildung von befruchtungsfähigen Eizellen reagieren.
Der biologische Alterungsprozess ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Deshalb lässt sich keine genaue Altersgrenze festlegen, bis zu der eine IVF-Behandlung erfolgreich sein kann. Ältere Frauen und Männer mit Fruchtbarkeitsproblemen müssen sich jedoch eher darauf einstellen, dass sie auch mit einer Behandlung möglicherweise nicht mehr schwanger werden können. Auch die Rate an Fehlgeburten nimmt mit den Jahren zu.
Wieso ist eine künstliche Befruchtung nicht immer erfolgreich?
Die In-vitro-Fertilisation (IVF) und die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) sind seit Jahren erprobte Methoden, aber sie sind sehr komplex und damit störungsanfällig. Es kommt öfter vor, dass einzelne Schritte nicht gelingen.
Zum Beispiel entwickeln sich nicht immer befruchtungsfähige Eizellen, oder es findet keine Befruchtung statt. Es kann auch sein, dass sich nach der Übertragung befruchteter Eizellen kein Embryo in der Gebärmutter einnistet. Die Ursachen für das Versagen der Behandlung sind sehr unterschiedlich und lassen sich nicht immer genau feststellen.
Ist das Risiko für kindliche Fehlbildungen nach einer künstlichen Befruchtung erhöht?
Bei natürlich gezeugten Kindern kommt es bei etwa jeder 15. Schwangerschaft zu einer kindlichen Fehlbildung, nach einer künstlichen Befruchtung bei jeder zwölften. Unklar ist jedoch, ob die erhöhte Fehlbildungsrate eine Folge der Fruchtbarkeitsbehandlung ist oder mit den Risikofaktoren zusammenhängt, die die Eltern mitbringen. Viele Fachleute halten die erhöhte Fehlbildungsrate eher für die Folge der Störung, die zur Unfruchtbarkeit geführt hat.
Nach Fruchtbarkeitsbehandlungen kommt es zudem häufiger zu Mehrlingsschwangerschaften. Da Mehrlinge oft zu früh geboren werden, erhöht sich auch hier das Risiko für körperliche und geistige Beeinträchtigungen.
Allgemein wird davon ausgegangen, dass das Fehlbildungsrisiko bei den Behandlungsmethoden In-vitro-Fertilisation (IVF) und Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) in etwa gleich ist. Bei beiden Methoden treten vermehrt Herzfehler, Lippen- und Gaumenspalten und Fehlbildungen des Verdauungstraktes auf.

