Wissen über die Fortpflanzung – ein Thema für beide Geschlechter
Wir leben in einem Zeitalter, in dem offen über Sexualität gesprochen werden darf und in dem in den Medien viel über das Thema Sex berichtet wird. Dennoch fehlt vielen Menschen genaueres Wissen über die Vorgänge bei Zeugung und Empfängnis. Zwar gehört es zum Allgemeinwissen, dass Frauen einen monatlichen Zyklus haben und eine Schwangerschaft durch Geschlechtsverkehr von Frau und Mann entsteht. Aber wer weiß schon genau, wie die männlichen Samenzellen entstehen oder woran eine Frau ihre fruchtbaren Tage erkennen kann?
Dabei handelt es sich eigentlich um ein sehr spannendes Thema, das sowohl für Frauen als auch für Männer sehr wichtig sein kann. Sowohl die Verhütung einer Schwangerschaft als auch der Kinderwunsch eines Paares betrifft ja immer beide Geschlechter.
Die Samenzellen wandern zur Eizelle
Nach dem Samenerguss beim Geschlechtsverkehr von Mann und Frau gelangen in der Regel Millionen von Spermien in die Scheide. Die Samenzellen sind im Körper der Frau ungefähr zwei bis fünf Tage, bei günstigen Bedingungen auch bis zu sieben Tage, lebensfähig. Wenn die Frau sich in ihrer fruchtbaren Phase im Zyklus befindet, können die lebensfähigen und beweglichen Spermien innerhalb einiger Stunden oder Tage in den Eileiter zur befruchtungsfähigen Eizelle wandern. Währenddessen machen sie mehrere biochemische Umbauvorgänge durch, die zur Befruchtungsfähigkeit notwendig sind. Dieser Vorgang wird Kapazitation genannt.
Schon einige Minuten nach dem Geschlechtsverkehr gelangen die ersten Spermien in den Gebärmutterhals. Voraussetzung ist jedoch, dass der Gebärmutterhalsschleim (Zervixschleim) für Samenzellen durchgängig ist. Dies ist meist zur Zeit des Eisprungs, 14 Tage vor der nächsten Regel, der Fall. In den Verästelungen des Gebärmutterhalses können Samenzellen bis zu fünf Tagen gespeichert werden. Ständig werden gespeicherte Samenzellen freigesetzt und bewegen sich durch die Gebärmutter in die Eileiter. Der Transport geschieht nicht allein durch die Eigenbewegung der Samenzellen, sondern auch durch Sogwirkungen in den Fortpflanzungsorganen der Frau. Von den normalerweise mehr als 20 Millionen Samenzellen pro Samenerguss überleben letztendlich weniger als 1000, die bis in die Eileiter gelangen. Treffen die Samenzellen innerhalb von etwa 24 Stunden nach dem Eisprung der Frau auf eine Eizelle, so ist eine Befruchtung möglich.
Die Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle
Die Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle geschieht normalerweise im Eileiter der Frau. Beim Eisprung wird eine befruchtungsfähige Eizelle von einem der Eileiter aufgenommen. Während Samenzellen bis zu sieben Tage überleben können, ist die Eizelle nach dem Eisprung nur für etwa 24 Stunden befruchtungsfähig. In diesem Zeitraum muss es also einer Samenzelle gelingen, durch die schützende Hülle der Eizelle einzudringen. Nachdem eine Samenzelle in die Eizelle eingedrungen ist, verändert sich die Oberfläche der Eizelle, so dass keine weiteren Spermien mehr hinein kommen können. Zunächst sind das weibliche und das männliche Erbgut in den beiden Vorkernen der Eizelle getrennt verpackt. Innerhalb der nächsten Stunden verschmelzen die beiden Vorkerne, und die Erbanlagen werden neu kombiniert. Ein neues Leben kann entstehen.
Der Weg in die Gebärmutter und die Einnistung
Die befruchtete Eizelle wandert innerhalb von vier bis fünf Tagen durch den Eileiter in die Gebärmutterhöhle. Währenddessen teilt sie sich mehrmals. Eine sogenannte Keimblase (Blastozyste) entsteht. Die Keimblase besteht aus einer äußeren Zellhülle (Trophoblast) und einer inneren Zellgruppe (Embryoblast). Aus dem Embryoblast entwickelt sich der Embryo. Der Trophoblast bildet die kindlichen Anteile der Plazenta.
Die Blastozyste benötigt einige Tage, um sich fest in der Gebärmutterschleimhaut einzunisten. Mit dem Abschluss der Einnistungsphase (Nidation) hat die Schwangerschaft begonnen.
weiterführende Informationen
- Ein kleines Wunder: Die Fortpflanzung
- Schwanger werden - eine Reihe glücklicher Umstände
Die Broschüre der BZgA beschreibt die Fortpflanzungsvorgänge und thematisiert die verschiedenen Faktoren, die auf die Fruchtbarkeit Einfluss nehmen können. Sie kann als PDF-Dokument heruntergeladen und bestellt werden. (Recherchedatum: 26.10.2006)
Spätestens wenn sich ein Paar ein Kind wünscht, wird das Thema Fruchtbarkeit aktuell. Viele fein aufeinander abgestimmte Abläufe sind notwendig, damit eine Samenzelle die Eizelle befruchten und die Frau schließlich schwanger werden kann.
Publikationen zum Thema
Häufig gestellte Fragen
Woran kann ich als Frau spüren, ob ich einen Eisprung habe?
Einige Frauen spüren einen bevorstehenden Eisprung als dumpfen oder ziehenden Schmerz in der linken oder rechten Seite des Unterleibs. Man nennt dies auch Mittelschmerz. Bei manchen Frauen sind die Brüste zur Zeit des Eisprungs sehr empfindlich. Einige bemerken diese Anzeichen nur in manchen Zyklen, in anderen nicht und viele Frauen können ihren Eisprung gar nicht spüren.
In seltenen Fällen haben Frauen zum Zeitpunkt des Eisprungs eine leichte Blutung von ein bis zwei Tagen.
Es ist schon viel darüber spekuliert worden, ob und wie sich der steile Anstieg von Sexualhormonen um den Eisprung herum auf das Verhalten und die Empfängnisbereitschaft von Frauen auswirkt. Es gibt Frauen, die von einer erhöhten sexuellen Lust um den Eisprung herum berichten, allerdings liegen zu entsprechenden Erfahrungen keine seriösen Studien vor.
Zu bedenken ist, dass Lustempfinden nicht nur hormonell, sondern auch von den Lebensbedingungen und dem bestehenden oder nicht bestehenden Kinderwunsch beeinflusst wird.
Wie sieht die Samenflüssigkeit normalerweise aus?
Die Samenflüssigkeit, auch Ejakulat genannt, sieht durchsichtig-milchig aus, manchmal leicht gräulich oder gelblich. Nach der Ejakulation wird die Flüssigkeit gallertartig, nach einigen Minuten verflüssigt sie sich wieder. Normalerweise wird beim Samenerguss eine Menge von 2 bis 6 Milliliter Flüssigkeit ausgestoßen. Bei sehr häufigen Ejakulationen kann die Menge geringer sein, nach längerer sexueller Abstinenz kann sie etwas größer sein.
Können auch mehrere Eizellen gleichzeitig befruchtet werden?
Selten reifen auf natürlichem Weg gleichzeitig zwei, sehr selten drei, befruchtungsfähige Eizellen heran. Wenn diese zwei oder drei Eizellen gleichzeitig reif geworden und aus dem Follikel gesprungen sind, können sie von verschiedenen Samenzellen befruchtet werden. Und wenn ihnen dann die Einnistung in die Gebärmutter gelingt, können sich zweieiige Zwillinge oder dreieiige Drillinge entwickeln.
Wodurch entsteht eine Mehrlingsschwangerschaft?
Bei 1000 Geburten, die auf natürlichem Weg entstanden sind, kommen circa zwölf bis 14 Mal Zwillinge vor. Drillinge oder noch höhergradige Mehrlinge sind auf natürlichem Weg sehr viel seltener.
Eine Mehrlingsschwangerschaft kann entstehen, wenn gleichzeitig mehrere Eizellen heranreifen und von verschiedenen Samenzellen befruchtet werden. Wenn auf diese Weise eine Zwillingsschwangerschaft entsteht, spricht man von zweieiigen Zwillingen. Zwei Drittel aller Zwillinge sind zweieiig.
Zwillinge können auch entstehen, wenn sich eine Eizelle nach der Befruchtung vollständig identisch teilt und sich daraus zwei Embryonen entwickeln. Aus diesen Embryonen können dann eineiige Zwillinge heranwachsen. Eineiige Zwillinge haben immer das gleiche Geschlecht und identische Erbanlagen. Ein Drittel aller Zwillinge sind eineiig.
Stimmt es, dass...
Stimmt es, dass allein die Samenzelle darüber entscheidet, ob bei einer Schwangerschaft ein Mädchen oder ein Junge entsteht?
Das Geschlecht des Kindes hängt davon ab, welche Samenzelle (Spermium) zur Befruchtung gelangt. In jeder Eizelle und in jeder Samenzelle befindet sich unter anderem je ein Geschlechts-Chromosom. Eine Eizelle trägt immer ein X-Chromosom. Eine Samenzelle enthält hingegen entweder ein X-Chromosom oder ein Y-Chromosom. Befruchtet eine Samenzelle mit X-Chromosom die Eizelle, so entsteht daraus ein weiblicher Embryo (XX-Konstellation). Befruchtet ein Spermium mit Y-Chromosom die Eizelle, wird es ein männlicher Embryo (XY-Konstellation).


