Gründe für das Aufsuchen einer Arztpraxis
Für die meisten Paare stellt sich die Frage nach dem weiteren Vorgehen, wenn die Schwangerschaft zu lange auf sich warten lässt. Dabei sind Paare natürlich unterschiedlich "ungeduldig": von medizinischer Seite her ist eine Wartezeit in Abhängigkeit vom Alter und der Vorgeschichte durchschnittlich von einem Jahr als normal anzusehen. Wenn keine Vorerkrankungen vorliegen, ist es durchaus akzeptabel, wenn Frauen unter 28 Jahren 18 Monate lang ohne Eingreifen der Ärztin bzw. des Arztes versuchen schwanger zu werden, Frauen zwischen 28 und 32 Jahren sollten die Ärztin oder den Arzt schon früher, also nach etwa einem Jahr aufsuchen und Frauen die älter als 33 Jahre sind, empfiehlt sich der Gang zur Ärztin oder dem Arzt bereits nach einem halben Jahr. Der Grund hierfür liegt vor allem darin, dass mit zunehmenden Alter von einer Abnahme der Fruchtbarkeit ausgegangen wird und eine Frau ab Mitte Dreißig sich sicher nicht mehr so viel Zeit lassen kann wie eine Frau von Anfang Zwanzig. Und auch das Alter des Mannes hat Einfluss auf die Fruchtbarkeit.
Manchmal gibt es aber bereits Anhaltspunkte für Schädigungen der Fortpflanzungsorgane, zum Beispiel aufgrund von Operationen oder Infektionen oder hormonellen Problemen. In diesem Fall kann es natürlich sinnvoll sein, schon nach kürzerer Zeit mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen. Auch bei wiederholten Fehlgeburten – ab drei Fehlgeburten in Folge wird von habituellen Fehlgeburten gesprochen – ist eine baldige medizinische Abklärung ratsam.
Welche Praxis die "zuständige" ist
Viele Frauen gehen regelmäßig zur Krebsfrüherkennung in eine gynäkologische Praxis und können bei dieser Gelegenheit ihre Gynäkologin oder ihren Gynäkologen auf die ausbleibende Schwangerschaft ansprechen. Oftmals können dabei vielleicht schon Hinweise auf die Ursache gefunden werden, wenn die Frau zum Beispiel über Zyklusunregelmäßigkeiten berichtet und die Ärztin oder der Arzt den Verdacht auf eine hormonelle Störung hegt. Manchmal wird die Frau dann an eine auf Fortpflanzungsmedizin spezialisierte Praxis oder Klinik (Fertilitätsklinik) überwiesen. Für die Diagnostik des Mannes sind urologische Praxen und speziell Andrologen (Fachgebiet Männerheilkunde) zuständig. In manchen Fällen werden noch zusätzlich Ärztinnen oder Ärzte anderer Fachrichtungen hinzugezogen.
Die Beurteilung der Qualität von Arztpraxen ist schwierig. Neben der Erfahrung der einzelnen Ärztinnen und Ärzte und der medizinischen Leistungsfähigkeit der Praxen oder Kliniken sind auch die Information, die Aufklärung, die Transparenz im Vorgehen und die Fähigkeit zum Gespräch wichtige Kriterien. Bei der Wahl der Praxis oder Klinik sollten nicht ausschließlich deren Erfolgszahlen bei einzelnen Reproduktionsverfahren ausschlaggebend sein. Eher hilft es, die eigene Gynäkologin oder den eigenen Gynäkologen zu fragen oder sich von den Erfahrungen anderer betroffener Frauen oder Paare leiten zu lassen. Letztendlich ist es wichtig, sich in der Praxis wohl zu fühlen und ein gewisses Vertrauen entwickeln zu können.
Das Gespräch mit der Ärztin oder mit dem Arzt
Im Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt ist eine Erhebung der bisherigen Krankengeschichte sehr wichtig. Paare werden bei einem so genannten Anamnesegespräch auch nach ihren aktuellen Lebensgewohnheiten gefragt und auch nach ihrer Partnerschaft. Es kann sinnvoll sein, sich vor dem Gespräch bereits mögliche Fragen zu überlegen und eine Checkliste mitzubringen, auf der die wichtigen Punkte stehen, die unbedingt angesprochen werden sollen. Paare sollten sich nicht scheuen, Fragen an die Ärztinnen oder Ärzte zu richten, etwa auch nach dem Nutzen bestimmter diagnostischer oder therapeutischer Verfahren. Schließlich geht es um den eigenen Körper und die eigene Zukunft. Vor allem sollten Paare nicht zurückschrecken, nachzufragen, wenn ihnen etwas nicht verständlich war.
Viele Betroffene machen die Erfahrung, dass die Ärztinnen und Ärzte unter einem gewissen Zeitdruck stehen. Oftmals bleibt deshalb auch kaum Zeit, um über Unsicherheiten oder Ängste zu sprechen. Es ist wichtig, zu spüren, dass die Ärztin oder der Arzt trotz der begrenzten Zeit auch über rein medizinische Belange hinaus ein offenes Ohr für die Sorgen oder Probleme ihrer Patientinnen und Patienten haben.
Viele Kinderwunschpraxen arbeiten auch mit einer Psychologin oder einem Psychologen zusammen, die zum Beispiel Gesprächsgruppen, Einzelgespräche oder auch Kurse zum Erlernen von Entspannungstechniken anbieten. Viele Ärztinnen und Ärzte reagieren äußerst positiv auf den Wunsch eines Paares nach einer begleitenden psychologischen Betreuung und Beratung und können häufig geeignete Ansprechpartner nennen. Ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Ärztin oder Arzt und Patientinnen und Patienten erleichtert es den Paaren, die für sie richtigen Entscheidungen zu fällen und mit der mitunter anstrengenden Kinderwunsch-Behandlung besser umgehen zu können.
weiterführende Informationen
- Fortpflanzungsfunktionen sind störanfällig
Fruchtbarkeit unterliegt Schwankungen und verändert sich - bei beiden Geschlechtern können sich fruchtbare und weniger fruchtbare Zeiten abwechseln. Die wenigsten Menschen machen sich darüber Gedanken, es sei denn, sie haben einen Kinderwunsch. Wie kommt es, dass es mit der gewünschten Schwangerschaft nicht immer auf Anhieb klappt?
- Schwanger werden - eine Reihe glücklicher Umstände
Spätestens wenn sich ein Paar ein Kind wünscht, wird das Thema Fruchtbarkeit aktuell. Viele fein aufeinander abgestimmte Abläufe sind notwendig, damit eine Samenzelle die Eizelle befruchten und die Frau schließlich schwanger werden kann.
- Deutsches IVF-Register
Das Deutsche IVF-Register erhebt zum Zweck der Qualitätssicherung seit 1992 Daten aus dem Bereich der Reproduktionsmedizin. Neben fachlichen Informationen bietet die Seite unter der Rubrik "Zentren" eine umfangreiche Liste von Kliniken und Praxen in Deutschland, die im Bereich der Reproduktionsmedizin tätig sind. Weiterführende Links verweisen auf die jeweiligen Informationsangebote der Einrichtungen im Internet. (Recherchedatum: 27.10.2011)
- Richtlinien des gemeinsamen Bundesausschusses über ärztliche Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist ein Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärztinnen und Ärzten, Krankenkassen und Krankenhäusern. Seine Aufgabe ist es zu konkretisieren, welche ambulanten oder stationären medizinischen Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind und somit zum Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung gehören. Auf dieser Seite können die Richtlinien des Ausschusses über ärztliche Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung als PDF-Dokument heruntergeladen werden. (Recherchedatum: 04.11.2011)
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Häufig gestellte Fragen
Ich muss meinen Samen untersuchen lassen - was kommt dabei auf mich zu?
Um die Fruchtbarkeit seines Spermas untersuchen zu lassen, muss der Mann eine Probe davon abgeben. Dazu befriedigt er sich selbst und fängt die Samenflüssigkeit (Ejakulat) in einem Behältnis auf. In der Regel haben urologische, andrologische und Kinderwunschpraxen für diesen Zweck einen ansprechend gestalteten Raum.
Für die Angestellten in der Praxis ist dieser Vorgang Routine. Männern fällt es dennoch manchmal schwer, in den Räumen einer Praxis oder einer Klinik zu masturbieren. Die meisten Labors sind in diesen Fällen einverstanden, wenn eine Samenprobe von zu Hause in die Praxis mitgebracht wird - vorausgesetzt, der Anfahrtsweg ist nicht zu lang.
Das Ejakulat muss frisch sein und in einem ganz sauberen Behälter transportiert werden. Hitze, Kälte und Sonnenlicht schaden dem Sperma. Die Einzelheiten des Transports werden mit der jeweiligen Praxis besprochen.
Stimmt es, dass oft bei beiden Partnern eine Fruchtbarkeitsstörung gefunden wird?
Fruchtbarkeitsstörungen können beide Geschlechter betreffen. Die Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit sind bei Mann und Frau beinahe gleich verteilt. Bei 20 bis 30 Prozent der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch lässt sich sowohl bei der Frau als auch beim Mann eine eingeschränkte Fruchtbarkeit feststellen.
Es ist deshalb Standard, beide Partner zu untersuchen, wenn die erhoffte Schwangerschaft ausbleibt. Bevor eine Frau körperlich belastende diagnostische Verfahren, wie zum Beispiel Untersuchungen ihrer Eileiter, vornehmen lässt, sollte ihr Partner die Befruchtungsfähigkeit seiner Spermien prüfen lassen.
In etwa 10 bis 15 Prozent der Fälle lassen sich trotz sorgfältiger medizinischer Diagnostik keine Ursachen für das Ausbleiben der Schwangerschaft finden.

