Ich heiße Kathleen, bin 26 Jahre und Erzieherin von Beruf. Meinen Freund Jan habe ich vor drei Jahren kennen gelernt. Da er zwei Jahre jünger ist als ich, war bei ihm der Kinderwunsch nicht so ausgeprägt, zumal er noch in seinem Studium steckt. Ich hatte eigentlich schon mit Anfang zwanzig an Kinder gedacht, aber hatte nicht den passenden Partner dafür gefunden. Außerdem wollte ich gern ein paar Jahre in meinem Beruf arbeiten. Jan und ich wurden uns eigentlich recht bald einig, dass wir bald ein Kind haben wollen, mindestens eines.
Allerdings hatte ich von Anfang an fast damit gerechnet, dass es für mich ein wenig schwierig sein könnte, schwanger zu werden. Ich hatte schon als Teenager häufig Blasenentzündungen und Unterleibsentzündungen, dafür war ich anscheinend besonders anfällig. Meine Gynäkologin hat mich deshalb auch sehr schnell an eine Klinik mit Kinderwunsch-Abteilung überwiesen, als ich nicht schwanger wurde.
In der Klinik haben sie bei mir eine Hormonuntersuchung vorgeschlagen und auch auf einer Samenprobe von Jan bestanden. Angesichts meiner Vorgeschichte schlugen sie eine Ultraschalluntersuchung der Eileiter vor. Das war übrigens keine schlimme Untersuchung, mir wurde ein dünner Schlauch in die Gebärmutter gelegt und ein Kontrastmittel hinein gespritzt, das durch die Eileiter fließen soll. Eine Narkose brauchte ich nicht und hinterher hatte ich wirklich nur leichte Schmerzen. Die Ärztin hat sich das Ganze auf dem Monitor angesehen und es mir erklärt. Viel konnte ich darauf zwar nicht erkennen, aber es war jedenfalls klar, dass bei mir beide Eileiter verschlossen sind. Wahrscheinlich ist das eine Folge der Entzündungen. So hart das für mich ist, aber die Gewissheit ist jetzt besser als im Ungewissen zu schweben. Hormonell scheint bei mir bisher alles in Ordnung zu sein, das ist schon mal gut. Ein kleiner Schock war für uns, dass bei Jan eine eingeschränkte Samenqualität festgestellt wurde. Die Ärztin erklärte, dass das nächste Spermiogramm in ein paar Monaten besser ausfallen könne, die Samenqualität sei manchmal unterschiedlich. Trotzdem hat es mich erst einmal deprimiert: ich mit den undurchlässigen Eileitern und Jan mit eingeschränkter Spermienqualität. Wie sollen wir da jemals schwanger werden?
Hoffnung am Horizont ist für mich, dass mit einer Operation die Eileiter durchgängig gemacht werden sollen. Das ist dann schon ein richtiger Eingriff mit Narkose, aber immerhin kann etwas getan werden. Dass bei Jan auch eine Einschränkung gefunden wurde, schweißt uns jetzt richtig zusammen. Keiner von uns ist allein "schuld", das ist besonders für mich erleichternd, da ich mich mit meinen undurchlässigen Eileitern irgendwie schuldig fühlte. Jan würde das nie so sehen, aber durch seine eigene Diagnose kann er mich jetzt besser verstehen.
Meine Ärztin ist sehr unterstützend und macht uns viel Mut. Sie hat Jan geraten, sich gesund zu ernähren, Sport zu treiben und vor allem das Rauchen – sein geliebtes Laster – aufzugeben oder zumindest einzuschränken. Und es gibt heutzutage ja auch viele medizinische Möglichkeiten, aber eine Garantie für eine Schwangerschaft kann sie uns nicht geben, das kann niemand.
Häufig gestellte Fragen
Mein Mann und ich haben untersuchen lassen, warum wir bisher kinderlos geblieben sind. Wie geht es jetzt weiter?
Sind die Untersuchungen abgeschlossen, hängt das weitere Vorgehen von der Diagnose ab. In vielen Fällen besteht die Aussicht auf eine Behebung der Fruchtbarkeitsstörungen oder auf eine Chance durch künstliche Befruchtung. Es ist letztendlich eine persönliche Entscheidung, wie weit man gehen möchte, um ein Kind zu bekommen.
In manchen Fällen ergeben die Untersuchungen, dass eine Schwangerschaft aus medizinischer Sicht nahezu ausgeschlossen ist. Auch wenn dieses Ergebnis nicht so leicht zu verkraften ist, kann es erleichternd sein, endlich Gewissheit zu haben.
Wo lässt man sich wegen eines unerfüllten Kinderwunsches untersuchen?
Einfachere Untersuchungen bei der Frau wie eine Tastuntersuchung, ein Abstrich oder eine Ultraschalluntersuchung können häufig in einer normalen Frauenarztpraxis vorgenommen werden. Hält jedoch die Kinderlosigkeit länger als zwei Jahre an oder sind schwere Sterilitätsfaktoren wie eine Schädigung der Eileiter oder eine Endometriose aus der medizinischen Vorgeschichte bekannt, sollte die Frau eine auf Kinderwunsch spezialisierte Praxis aufsuchen.
Die Untersuchung des Mannes sollte, spätestens bei auffälligen Werten im Spermiogramm, in einer urologischen oder in einer auf Andrologie (Männerheilkunde) spezialisierten Praxis erfolgen.
Beim Deutschen IVF-Register (DIR) ist eine Liste von Praxen und Kliniken erhältlich, die auf Kinderwunschbehandlung spezialisiert sind und sich regelmäßigen Qualitätskontrollen unterziehen.
Ich muss meinen Samen untersuchen lassen - was kommt dabei auf mich zu?
Die Untersuchung des Samens ist für die medizinische Diagnostik bei unerfülltem Kinderwunsch unerlässlich. Die Masturbation in einer Praxis oder Klinik ist jedoch nicht jedermanns Sache.
Aber die meisten andrologischen Praxen und Kinderwunschpraxen bemühen sich um eine ansprechende Ausstattung und Gestaltung des Raumes, in dem Männer ihren Samen gewinnen sollen.
Für die Angestellten in der Praxis ist dieser Vorgang Routine. Männer fällt es dennoch manchmal schwer, in den Räumen einer Praxis oder einer Klinik zu masturbieren. Die meisten Labors sind in diesen Fällen einverstanden, wenn eine Samenprobe von zu Hause in die Praxis mitgebracht wird.
Das Ejakulat muss frisch sein und in einem ganz sauberen Behälter transportiert werden. Hitze, Kälte und Sonnenlicht schaden dem Sperma. Die Einzelheiten zum Transport muss der Mann mit der jeweiligen Praxis absprechen.
Gibt es Paare, bei denen die Medizin auch nach gründlichen Untersuchungen nicht herausfindet, warum sie kein Kind bekommen?
In etwa 10 Prozent der Fälle lassen sich trotz sorgfältiger medizinischer Diagnostik keine Ursachen finden, warum die Frau nicht schwanger wird.
Die Medizin spricht dann von idiopathischer, also ungeklärter Sterilität. Für viele Betroffene ist es schwierig, mit dieser Diagnose umzugehen, da sie sich Klarheit über die Ursachen ihrer ungewollten Kinderlosigkeit wünschen.
Stimmt es, dass...
Stimmt es, dass in vielen Fällen bei beiden Partnern eine Fruchtbarkeitsstörung gefunden wird?
Fruchtbarkeitsstörungen können beide Geschlechter betreffen. Die Ursachen für die ungewollte Kinderlosigkeit sind anteilmäßig fast gleich auf Mann und Frau verteilt. Bei 20 Prozent der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch findet sich sowohl bei der Frau als auch beim Mann eine eingeschränkte Fruchtbarkeit.
Es ist deshalb ein moderner Standard, dass sich beide Partner untersuchen lassen, wenn die erhoffte Schwangerschaft ausbleibt. Spätestens bevor eine Frau körperlich belastende diagnostische Verfahren, wie zum Beispiel Untersuchungen ihrer Eileiter, vornehmen lässt, sollte auch ihr Partner die Qualität seiner Spermien prüfen lassen.


