TESE oder MESA für eine ICSI

Finden sich im Sperma des Mannes keine Samenzellen, kann man sie unter Umständen direkt aus den Hoden (TESE) oder den Nebenhoden (MESA) gewinnen. Dann können sie bei einer ICSI eingesetzt werden.

Personal in Operationssaal © Bert Burchett/Fotolia
© Bert Burchett/Fotolia

Lassen sich in der Samenflüssigkeit keine oder zu wenige Spermien nachweisen (Azoospermie oder Oligozoospermie), besteht unter Umständen die Möglichkeit, mit einer kleinen Operation Spermien aus den Hoden oder den Nebenhoden zu gewinnen. Gelingt die Entnahme, ist eine künstliche Befruchtung möglich – allerdings nur im Rahmen einer Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI).

Voraussetzung ist eine sorgfältige Diagnostik. Dabei wird vor allem geprüft, ob die Spermien wegen eines Verschlusses der Samenwege nicht in die Samenflüssigkeit gelangen können oder ob ihre Produktion in den Hoden gestört ist. In seltenen Fällen kann es auch sein, dass aufgrund einer genetischen Störung, beispielsweise einer Mukoviszidose, die Samenleiter fehlen. Besteht der Verdacht auf erblich bedingte Ursachen, wird eine humangenetische Beratung und gegebenenfalls auch eine genetische Untersuchung empfohlen.

Samengewinnung aus den Nebenhoden (MESA)

Sind die Samenwege verschlossen und gelingt es nicht, sie operativ wieder durchgängig zu machen, besteht die Möglichkeit, Samenzellen aus den Nebenhoden zu gewinnen, in denen die gereiften Samenzellen gespeichert werden. Das Verfahren heißt Mikrochirurgische Epididymale Spermienaspiration (MESA). Bei dem Eingriff werden unter Vollnarkose mithilfe einer Hohlnadel (Kanüle) bewegliche Spermien aus den Nebenhoden entnommen. Anschließend werden sie eingefroren (kryokonserviert), um sie später im Rahmen einer künstlichen Befruchtung für eine ICSI nutzen zu können.

Samengewinnung aus den Hoden (TESE)

Ist die Spermienproduktion in den Hoden gestört, sodass sie keine oder zu wenige Spermien bilden, lassen sich unter Umständen in vereinzelten Bereichen der Hoden dennoch Spermien aufspüren. Sie können durch ein spezielles Operationsverfahren, die Testikuläre Spermienextraktion (TESE), gewonnen werden. Das Verfahren kommt auch infrage, wenn eine Samengewinnung aus dem Nebenhoden nicht möglich ist.

Bei dem Eingriff werden meist ambulant und unter örtlicher Betäubung von beiden Hoden drei oder mehr Gewebeproben entnommen. Finden sich darin befruchtungsfähige Spermien, wird das Gewebe eingefroren. Im Rahmen einer ICSI-Behandlung wird das Gewebe dann später aufgetaut, die Spermien werden herausgelöst und zur künstlichen Befruchtung der Eizelle eingesetzt.

Leider kommt es häufig vor, dass auch mittels TESE keine Spermien gefunden werden. In einem solchen Fall ist der Mann definitiv unfruchtbar.

Mögliche Nebenwirkungen

Bei beiden Verfahren bestehen die üblichen Narkose- und Operationsrisiken. In seltenen Fällen treten Nachblutungen, Blutergüsse und Infektionen auf.

Nach einer TESE kann es außerdem zu einer Verkleinerung einer oder beider Hoden kommen. In Extremfällen ist auch das Absterben eines Hodens möglich. Relativ häufig kommt es zu einer vorübergehenden Verringerung der Testosteronproduktion.

Was sollte ich bedenken?

Die durch TESE oder MESA gewonnenen Spermien können nur im Rahmen einer ICSI zur künstlichen Befruchtung der Eizelle genutzt werden. Diese Methode der Kinderwunsch-Behandlung setzt voraus, dass sich die Partnerin einer hormonellen Stimulation der Eierstöcke unterzieht, was sie körperlich und seelisch stark belasten kann. Deshalb sollte stets geprüft werden, ob verschlossene Samenwege operativ durchgängig gemacht werden können. Gelingt dies, ist danach in der Regel eine natürliche Befruchtung möglich.

Will ein Mann nach einer Sterilisation (Vasektomie) noch einmal Vater werden, ist es ebenfalls ratsam, zunächst zu untersuchen, ob sich die durchtrennten Samenleiter wieder verbinden lassen. Nur wenn dies nicht möglich ist, sollte eine MESA oder TESE erwogen werden.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 23.02.2017