Mehrlinge sind eine Laune der Natur. Während eineiige Zwillinge ein reines "Zufallsprodukt" sind, ist bei der Entstehung zweieiiger Zwillinge häufig eine erbliche Veranlagung im Spiel. Außerdem ist bei Frauen, die älter als 35 Jahre sind und bereits ein Kind haben oder die lange Zeit Hormonpräparate genommen haben, die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft höher.
Eineiige Zwillinge entstehen, wenn sich eine befruchtete Eizelle in zwei Zellkerne mit identischen Erbanlagen trennt. Die beiden Kinder haben dann das gleiche Geschlecht und die gleiche Blutgruppe. Und meist ähneln sie sich tatsächlich "wie ein Ei dem anderen".
Zweieiige Zwillinge dagegen entstehen aus zwei in etwa gleichzeitig befruchteten Eizellen und können sich genauso stark voneinander unterscheiden wie alle anderen Geschwister. Bei Drillings- oder Vierlingsschwangerschaften sind verschiedene Kombinationen von eineiigen und zweieiigen Mehrlingen möglich.
Gemischte Gefühle
Die Eröffnung, dass sie Mehrlinge erwarten, beschert vielen Müttern und Vätern erst einmal gemischte Gefühle. Auch wenn sie sich über den unerwarteten Zuwachs freuen, stellt sich häufig die Frage, wie sie die größeren Belastungen nach der Geburt bewältigen können.
Für Mehrlingseltern ist es wichtig, schon möglichst früh ein Netz von Helferinnen und Helfern zu knüpfen, die bereit sind, in Stresssituationen einzuspringen. Ob es um Unterstützung bei der Hausarbeit geht, ums Einkaufen oder Babysitting – viele Angehörige, Freunde und Nachbarn erweisen sich in dieser Situation als sehr hilfsbereit, wenn sie gefragt werden. Wer bereits im Vorfeld Unterstützung organisiert hat, kann zukünftigen Herausforderungen gelassener entgegensehen.
Finanzielle Hilfe
Mehrfacher Kindersegen bringt auch eine größere finanzielle Belastung mit sich. Es ist sinnvoll, sich über Ansprüche auf staatliche Leistungen wie Mutterschafts- und Elterngeld sowie bei Bedarf Sozialhilfe zu informieren. Eltern von Mehrlingen steht beispielsweise mehr Elterngeld zu. Familien in besonderen Notlagen können finanzielle Unterstützung über die „Bundesstiftung Mutter und Kind“ beantragen. Informationen zu allen infrage kommenden Leistungen und anderen Formen der Unterstützung erhalten werdende Eltern in Schwangerschaftsberatungsstellen. Die Beratungen sind kostenfrei.
In vielen Städten und auch im Internet gibt es Selbsthilfegruppen für Mehrlingseltern. Hier finden Eltern nicht nur praktische Tipps und die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch, sondern auch günstige Angebote für spezielle Umstandsmode, Babyausstattung und vieles mehr.
Mehrlingsschwangerschaften sind anders
Zwei oder mehr Kinder im Bauch bedeuten für eine Schwangere in vieler Hinsicht eine deutlich höhere körperliche Beanspruchung: Die Wirbelsäule und die Beine haben mehr Gewicht zu tragen, das Bindegewebe und die Muskulatur müssen mit größeren Belastungen fertigwerden als bei nur einem Ungeborenen. Auch Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit, Verstopfung, Ödeme und Rückenschmerzen treten verstärkt auf. Wer mehr als ein Kind erwartet, sollte daher ganz besonders auf den eigenen Körper achten.
So empfiehlt es sich, von Beginn der Schwangerschaft an Beckenbodengymnastik zu machen, damit die Muskulatur der zunehmenden Belastung gewachsen ist. Bauch, Brust und Hüften mit einem Vitamin-E-haltigen Öl zu massieren hilft, die Haut und das Bindegewebe elastisch zu halten.
Eine ausgewogene Ernährung ist bei einer Mehrlingsschwangerschaft besonders wichtig. Eventuell ist – nach ärztlicher Beratung – die zusätzliche Einnahme von Jod-, Eisen- oder Kalziumpräparaten sinnvoll.
Das Risiko vorzeitiger Wehen ist bei Mehrlingsschwangerschaften erhöht. Darum sollten körperliche Anstrengungen und Stress vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft möglichst vermieden werden.
Für alle Fälle auf Nummer sicher
Eine Mehrlingsschwangerschaft wird unter medizinischen Gesichtspunkten stets als Risikoschwangerschaft eingestuft. Deshalb erfolgen die Vorsorgeuntersuchungen in engeren Abständen als bei einer Ein-Kind-Schwangerschaft.
Auch die Geburt von Mehrlingen gilt generell als Risikogeburt. Es wird immer zu einer Klinikgeburt geraten, damit schnell eingegriffen werden kann, falls es zu Komplikationen kommen sollte, die sofortige medizinische Hilfe erfordern.
Mehrlinge kommen meist vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt. Die mittlere Schwangerschaftsdauer beträgt bei Zwillingen im Schnitt 37 Wochen, bei Drillingen oft noch weniger. Häufig haben sie auch ein geringeres Geburtsgewicht. Es ist daher günstig, wenn der ausgewählten Geburtsklinik ein Perinatal- oder neonatologisches Zentrum für Frühgeborene angeschlossen ist.
Zwillinge können, wenn die Schwangerschaft unkompliziert verlaufen ist, auf natürlichem Weg entbunden werden. Bei Drillingen und mehr Babys wird dagegen immer zu einem Kaiserschnitt geraten.
Keine Seltenheit
Mehrlingsschwangerschaften haftet immer noch etwas Exotisches an. Sie sind aber gar nicht so ungewöhnlich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden in Deutschland 2008 insgesamt 683.000 Kinder geboren. Es gab rund 11.000 Mehrlingsgeburten: Davon waren 10.800 Zwillingsgeburten (also 21.600 Kinder), rund 250 Drillings- und 4 Vierlingsgeburten (zusammen fast 770 Kinder). Der Anteil der Mehrlingskinder an allen Geborenen liegt bei fast 33 Mehrlingen je 1000 lebend oder tot geborenen Kindern.
Linkliste
- Initiative Drillings- und Mehrlingseltern
Die 1982 gegründete internationale Initiative für Drillings- und Mehrlingseltern "ABC-Club e.V." bietet Informationen, Adressmaterial und ein Forum für Drillings- und Mehrlingseltern. Die Seiten werden auf Deutsch, Englisch und Spanisch angeboten. (Recherchedatum: 20.09.2007)
- Informationen zur Bundesstiftung Mutter und Kind (PDF)
Die Kurzinfo der Bundesstiftung Mutter und Kind gibt Hinweise zu finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten für Schwangere und Mütter in Notlagen. (Recherchedatum: 19.12.2007)
- Quarks&Co: Die Wissenschaft von Zwillingen
Diese Seite des WDR Fernsehen informiert über die Sendung Quarks&Co: Die Wissenschaft von Zwillingen, die am 23.05.2006 ausgestrahlt wurde. Die Inhalte der Sendung reichen von der Geschichte der Zwillingsforschung über die Psychologie der Zwillingsbeziehung bis hin zu Fakten über Zwillinge und Wissenswertes zur Entstehung von Zwillingen. Alle Informationen können auf der Seite zum Teil interaktiv aufgerufen werden. (Recherchedatum: 27.06.2006)
Publikationen zum Thema
Häufig gestellte Fragen
Ich bin in der 8. Woche schwanger und habe leichte Blutungen. Besteht Gefahr für mein Kind?
Blutungen in der Frühschwangerschaft treten häufig zum Zeitpunkt der erwarteten Periode auf. Sie sind allerdings sehr viel schwächer als die normale Monatsblutung. Oft sind sie ein Zeichen dafür, dass sich der Körper noch nicht vollständig auf die Schwangerschaft umgestellt hat: Das heißt, die Menge des Gelbkörperhormons Progesteron reicht noch nicht aus, um die Periode gänzlich zu verhindern. Diese so genannten Schmierblutungen sind in der Regel ungefährlich. Gelegentlich wird den betroffenen Frauen empfohlen, für einige Tage das Bett zu hüten. Manche Ärztinnen / Ärzte raten bei Schmierblutungen auch zur Einnahme von Hormonpräparaten, um den Progesteronspiegel zu erhöhen.
Ein anderer Grund für die Blutungen können feine Haarrisse am Muttermund sein. Das Gewebe dort ist in der Schwangerschaft sehr gut durchblutet. Es kann leicht zu kleineren Verletzungen kommen, zum Beispiel durch sexuellen Verkehr oder gynäkologische Untersuchungen.
Blutungen - vor allem, wenn sie mit Schmerzen verbunden sind - können aber auch ein Hinweis auf eine drohende Fehlgeburt oder eine bestehende Eileiterschwangerschaft sein. Deshalb sollte beim Auftreten von Blutungen immer die Ärztin oder der Arzt aufgesucht werden, damit eine genaue Diagnose erstellt und über eventuell notwendige Maßnahmen entschieden werden kann.
Bevor ich wusste, dass ich schwanger bin, habe ich auf einem Fest Alkohol getrunken. Kann das dem Kind schaden?
In den ersten Wochen wächst der Embryo besonders schnell und ist sehr empfindlich. Viele Substanzen, die die Schwangere zu sich nimmt, kommen innerhalb einer Stunde bei ihm an: Alkohol, Nikotin , Koffein oder Medikamente. Wenn die werdende Mutter, als sie noch nichts von der Schwangerschaft wusste, viel Alkohol getrunken oder Zigaretten geraucht hat, ist dies in der Regel kein Grund zur Beunruhigung. Denn während der ersten drei Wochen gilt: Die Frucht entwickelt sich normal - oder gar nicht. Wird sie geschädigt, kommt es zu einer (meist unbemerkten) Fehlgeburt. Bleibt sie dagegen unbeschädigt, so geht die Schwangerschaft weiter.
Aber grundsätzlich gilt, dass während der Schwangerschaft ganz auf Aklohol verzicht werden soll. Alkohol gelangt über die Plazenta in den kindlichen Organismus. Das heißt: Mutter und Kind haben den gleichen Alkoholspiegel - doch der kindliche Organismus kann ihn viel schwerer abbauen. Bei vermehrtem Alkoholkonsum kann das Kind mit schweren Fehlbildungen wie Wachstumsverzögerungen, Fehlbildungen im Gesicht und Minderbegabung zur Welt kommen. Auch das Trinkverhalten der Vaters hat Einfluss auf die Entwicklungschancen des Kindes: Hoher Alkoholkonsum schädigt die Samenzellen.
Ich habe gehört, dass Folsäure Fehlbildungen beim Kind verhindern kann. Wie wichtig ist die Einnahme von Folsäurepräparaten?
Das Rückenmark und die Wirbelsäule des Embryos entwickeln sich aus einer flachen Zellmasse, deren Ränder sich schließen und ein Rohr bilden. Ist dieses Neuralrohr nicht richtig ausgebildet, so liegt das Rückenmark frei. Die Folgen können Lähmungen der Beine, Inkontienz oder ein Hydrocephalus (im Volksmund "Wasserkopf" genannt) sein.
Es ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen, dass Folsäure für die Ausbildung des Neuralrohrs unerlässlich ist und eine ausreichende Folsäurezufuhr den beschriebenen Missbildungen wirksam vorbeugen kann.
Folsäure ist ein Bestandteil des Vitamin-B-Komplexes, der vor allem in Gemüse, Kartoffeln, Fleisch, Milch- und Vollkornprodukten enthalten ist. Beim Kochen wird Folsäure allerdings zerstört, ebenso durch längere Lagerung. Es ist daher wichtig, möglichst viel frisches Gemüse und Blattsalate zu essen. Dennoch kann die empfohlene Folsäuremenge von 0,4 mg pro Tag über die normale Ernährung kaum erreicht werden. Darüber hinaus wird Folsäure während der Schwangerschaft wesentlich schneller als gewöhnlich ausgeschieden. Dadurch kann es leicht zu Folsäuremangel kommen. Schwangeren Frauen wird daher in der Regel zur zusätzlichen Einnahme von Folsäuretabletten geraten. Mit der Einnahme sollte schon vor der Schwangerschaft, auf jeden Fall aber mit Bekanntwerden der Schwangerschaft begonnen werden, da sich gerade in dieser Zeit das Rückenmark und die Wirbel bilden.
Aus beruflichen Gründen sitze ich täglich acht Stunden am Computer. Sind die Strahlungen gefährlich für mein Kind?
Computerbildschirme – wie übrigens auch Fernsehgeräte – geben Röntgen- und Gammastrahlen ab. Das ist inzwischen bekannt, und viele Menschen machen sich deswegen Sorgen. Weniger bekannt ist jedoch, dass derartige Strahlung auch überall in der Natur vorkommt. Tatsächlich beträgt die Strahlenbelastung, die von einem Röhrenmonitor ausgeht, gerade einmal ein Zehntel dessen, was der Mensch selbst an Strahlung an seine Umwelt abgibt. Eine Gefährdung des Kindes im Mutterleib durch die Strahlenbelastung am Bildschirm kann also zumindest bei modernen Bildschirmgeräten ausgeschlossen werden.
Stimmt es, dass sich die meisten befruchteten Eizellen nicht weiterentwickeln?
In den ersten Schwangerschaftswochen entwickelt sich der Embryo sehr rasch. Dabei kommt es häufig zu Fehlentwicklungen oder schwereren Defekten. Ist der Embryo nicht lebensfähig, wird er vom Körper der Frau wieder abgestoßen. Meist geschieht dies, noch bevor die Frau erste Anzeichen einer Schwangerschaft überhaupt bemerkt. Solche frühen Fehlgeburten gehen in der Regel mit Blutungen einher und werden deshalb meist als verspätete Monatsblutung gedeutet.
Auch dass sich ein Ei im Frühstadium nicht weiterentwickelt, ist keine Seltenheit. Allgemein wird davon ausgegangen, dass mehr als die Hälfte aller befruchteten Eizellen bis zur siebten Schwangerschaftswoche absterben.


