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Geburtsvorbereitung: was Mann tun kann

Mann und Frau - Bauch an Bauch

Sich als Mann auf die Geburt vorzubereiten heißt, die Frau in ihrer Schwangerschaft zu begleiten und sich gleichzeitig mit den kommenden väterlichen Aufgaben zu befassen.


Mitgehen zu den Vorsorgeuntersuchungen?

Im Laufe des dritten Monats steht gewöhnlich die erste von zehn Vorsorgeuntersuchungen an, auf die eine Schwangere gesetzlichen Anspruch hat. Der Sinn der Untersuchungen besteht darin, mögliche Risiken für Mutter und Kind rechtzeitig erkennen und behandeln zu können.

Die meisten Hebammen und gynäkologischen Praxen sind heute darauf eingestellt, dass Männer ihre Partnerinnen bei den Untersuchungsterminen begleiten können – wenn beide das wollen. Wer als Mann bei der vaginalen Untersuchung dabei sein möchte, sollte vorher mit seiner Partnerin darüber reden, ob etwas dagegen spricht.

Viele Paare erleben die gemeinsamen Arztbesuche als kleine Auszeiten, in denen sie sich gewissermaßen "gemeinsam schwanger" fühlen können. Meist fällt es dann leichter, über Wünsche und Sorgen zu sprechen. Auch kann der Mann der Ärztin oder dem Arzt Fragen stellen, die ihn beschäftigen.

Mitunter fühlen Männer sich auch fehl am Platz, weil sie in der Arztpraxis nicht wirklich in das Geschehen einbezogen werden. Wen das stört, der sollte sich ruhig zu Wort melden. Sich in dieser für ihn fremden Welt zurechtzufinden, kann für den Mann eine gute Vorbereitung auf die bevorstehende Geburt sein.

Es empfiehlt sich, die Vorsorgetermine ans Ende der Sprechstundenzeit zu legen. Umso weniger zeitliche Probleme gibt es mit dem Arbeitgeber. Ein Anrecht auf Freistellung von der Arbeit haben Männer für die Vorsorgetermine nicht.

Ein Bild vom Kind

Bei der ersten Vorsorgeuntersuchung, die zwischen der neunten und zwölften Schwangerschaftswoche ansteht, erfolgt in aller Regel auch die erste von insgesamt drei gesetzlich zustehenden Ultraschallaufnahmen des Kindes. Für Männer, die ihre Partnerin zu diesem Termin begleiten, kann dieses Ereignis sehr wichtig werden. Nicht selten begreift der werdende Vater erst beim Anblick des Kindes auf dem Bildschirm, dass das Leben im Bauch der Frau tatsächlich bereits begonnen hat.

Viele werdende Väter berichten, dass der erste Anblick ihres Kindes deshalb ein ganz besonderer Moment war. Oft haben sie in dieser Sekunde eine erste spürbare Verbindung zum Ungeborenen aufgenommen. Gleichwohl sollte man sich nicht verrückt machen lassen, auf Biegen und Brechen einen möglichst frühen Kontakt zum Ungeborenen empfinden zu müssen. Alles braucht seine Zeit.

Geburtsbegleitung will vorbereitet sein

Die meisten werdenden Väter begleiten heute ihre Partnerin bei der Geburt. Doch ist längst nicht jeder auf dieses Ereignis gut vorbereitet. Nur ein Teil der Männer besucht einen Geburtsvorbereitungskurs.Deswegen mehren sich in letzter Zeit warnende Stimmen, unvorbereitete Männer seien im Kreißsaal möglicherweise nicht immer eine Hilfe.

Wer dabei sein möchte, sollte mit der Partnerin einen gemeinsamen Vorbereitungskurs besuchen. Hilfreich ist auch, am Informationsabend des für die Entbindung infrage kommenden Geburts- oder Krankenhauses teilzunehmen. Dabei zeigt sich meist, ob Männer dort als Geburtsbegleiter willkommen sind oder lediglich geduldet werden.

Von Vorteil ist auch, frühzeitig die Hebamme kennen zu lernen, die die Geburt begleiten soll. Es dient dem Ablauf einer Geburt, wenn nicht nur zwischen Hebamme und Frau die Chemie stimmt, sondern auch zwischen Hebamme und Mann.

Mitgehen oder nicht?

Jedes Paar sollte sich offen mit der Frage beschäftigen, welche Begleitung die Frau sich wünscht und ob der Mann bei der Geburt dabei sein möchte oder nicht. Niemandem ist damit gedient, wenn einer von beiden sich zu etwas gedrängt fühlt.

Es gibt verschiedene absolut "ehrenwerte" Gründe, aus denen Männer entscheiden, bei der Geburt nicht dabei zu sein: Möglicherweise fühlen sie sich nicht ausreichend vorbereitet und meinen, während der Geburt nicht wirklich von Nutzen zu sein. Oder sie wissen, dass sie kein Blut sehen können, und befürchten, zur Belastung zu werden. Vielleicht akzeptieren sie es auch einfach, dass die Partnerin sich in Begleitung ihrer Mutter oder einer Freundin sicherer fühlt.

Der Geburtsvorbereitungskurs

Im Gegensatz zu den Frauen müssen werdende Väter ihre Teilnahme an einem Geburtsvorbereitungskurs aus eigener Tasche zahlen. In aller Regel wird der Kurs von einer Hebamme oder einer Geburtsvorbereiterin allein geleitet. Das muss nicht, kann aber dazu führen, dass die werdenden Väter nur am Rande berücksichtigt werden.

Allerdings wissen Männer mitunter selbst nicht so recht, was sie von einem Geburtsvorbereitungskurs erwarten sollen. Oft finden sie erst dann zu eigenen Fragen, wenn sie sich in Ruhe mit anderen werdenden Vätern austauschen. Deshalb empfiehlt es sich, im Rahmen des Kurses einmal einen "Männerabend" anzuregen.

Die wichtigste Aufgabe des Kurses besteht darin, das Paar mit dem Verlauf einer Geburt vertraut zu machen. Welche Geburtsformen gibt es, welche Möglichkeiten der Entspannung und der Schmerzlinderung? Wie kann der Mann seine Partnerin unterstützen, ohne sich selbst zu überfordern?

Für den Mann gilt es, sich darauf einzustellen, dass es besonders in der letzten Phase einer Geburt Situationen gibt, in denen er nur noch teilnehmender Beobachter sein kann. Da hilft dann das feste Vertrauen in die Kraft der Partnerin.

Nicht zuletzt kann der Kurs helfen zu entscheiden, ob der Mann die Geburt begleiten möchte oder nicht.

Erledigungen vor der Geburt

Bis zur Geburt gibt es viel anzuschaffen und zu organisieren. Auch bestimmte Behördengänge können jetzt schon erledigt werden.

Ob der Mann die Wickelkommode nun selbst schreinert oder im Geschäft kauft, es ist in jedem Fall ratsam, sich schon frühzeitig mit allem zu beschäftigen, was das Kind bald brauchen wird. Auch der Vater sollte sich mit Windeln, Jäckchen, Strampelanzügen, Wiege, Kinderwagen, Autositz und Babyphon auskennen. Das erleichtert es ihm, in seiner Vaterrolle selbstständig zu agieren. Außerdem gibt es recht große Unterschiede in Preis und technischer Qualität.

Wer nicht verheiratet ist und die Tage nach der Geburt nicht mit Papierkram vertun will, kann zum Beispiel beim Jugendamt die Vaterschaft vorher schon anerkennen. Mit dem Einverständnis der Mutter kann der unverheiratete Vater auch das gemeinsame Sorgerecht erklären. Darüber hinaus können die Anträge auf das Kinder- und das Elterngeld schon vor der Geburt des Kindes ausgefüllt und die notwendigen Verdienstbescheinigungen besorgt werden.

Mit dem Näherrücken des Geburtstermins heißt es auch, Absprachen darüber zu treffen, welche Verfahren der Schmerzlinderung die Partnerin während der Geburt (auf keinen Fall) wünscht und wie das Baby nach der Geburt behandelt werden soll. Frauen sind manchmal zu erschöpft, um sich gegenüber andersdenkendem Betreuungspersonal durchzusetzen. In diesem Fall kann der Mann die gemeinsamen Interessen vertreten.

Absprachen mit dem Arbeitgeber

Wer bei der Geburt dabei sein möchte, tut gut daran, mit dem Arbeitgeber eine flexible Absprache für den voraussichtlichen Geburtstermin zu treffen. Flexibel deshalb, weil nur etwa fünf Prozent aller Babys zum errechneten Termin kommen.

Wer vom Tag der Geburt an einen großzügigen Teil des Jahresurlaubs nimmt, tut sich selbst damit einen großen Gefallen. Die erste Zeit mit einem Neugeborenen ist etwas Außerordentliches. Zudem ist eine Geburt auch für den Vater seelisch und körperlich ziemlich anstrengend, so dass eine Pause von der Erwerbsarbeit gut tun wird.

Die Tasche für den Mann

Nicht nur die Frau, auch der Mann sollte eine Tasche bereithalten, in der er alles einpackt, was er für die Entbindung braucht. Zum Beispiel leichte und bequeme Kleidung, denn im Kreißsaal ist es oft sehr warm. Auch ist es ratsam, genug zu essen und zu trinken mitzunehmen, da eine Geburt sehr lange dauern kann.

In seiner Kliniktasche befindet sich vielleicht auch ein Fotoapparat, eine Videokamera und alles andere, was er und seine Partnerin im Kreißsaal oder Geburtszimmer an Musik, Duft und Farben um sich haben möchten.

Nicht fehlen darf der Säuglings-Autositz für die sichere Rückfahrt im Taxi nach Hause.

Weiterführende Informationen

Publikationen zum Thema

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Häufig gestellte Fragen

Schadet häufiges Ultraschallen dem Ungeborenen?

Ein Wissenschaftlerteam von der University of Western Australia hat im Zuge einer Langzeitstudie festgestellt, dass sich auch nach wiederholten Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft keine Schäden an Kindern nachweisen lassen.

Forschungsleiter John Newham begleitete mehrere Tausend Kinder bis zu ihrem achten Lebensjahr, von denen einige während der Schwangerschaft ihrer Mütter mehrmals, andere dagegen nur einmalig mit Ultraschall untersucht worden waren. Ein Vergleich zeigte jedoch keine Unterschiede hinsichtlich der Größe der Kinder, des Sprechens, der Sprache, des Verhaltens oder der neurologischen Entwicklung.

Darf der Vater bei einem Kaiserschnitt mit in den OP-Saal?

Wenn Frau und Mann das möchten, spricht im Prinzip nichts dagegen. Die meisten Kliniken sind auf die Anwesenheit des Vaters im Operationssaal eingestellt. Wenn schon vor der Geburt klar ist, dass eine Schnittentbindung nötig wird, können die werdenden Eltern in einem Vorgespräch mit der Ärztin, dem Arzt und der Hebamme besprechen, wie der Mann seine Frau während des Eingriffs und danach am besten unterstützen kann.

 

 

Muss der Arbeitgeber einen Mann für Termine im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt freistellen?

Für Arbeitgeber besteht grundsätzlich keine Verpflichtung, Männer für die Wahrnehmung solcher Termine freizustellen. Es empfiehlt sich daher, rechtzeitig das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen, um eine gütliche Vereinbarung treffen zu können. Abgesehen davon ist es ratsam, Untersuchungstermine möglichst ans Ende der ärztlichen Sprechstunden zu legen. Dann lassen sie sich besser mit den üblichen Arbeitszeiten vereinbaren.

Auch wenn die Geburt naht, empfiehlt es sich, schon früh mit dem Arbeitgeber zu sprechen, um für die "Rufbereitschaft" in der Zeit um den errechneten Geburtstermin herum eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Können auch Männer nach der Geburt "in ein tiefes Loch fallen"?

Frisch gebackene Väter können sowohl unter dem aufwühlenden Eindruck der Geburt als auch angesichts der neuen Anforderungen ihres Vaterseins seelisch stark erschüttert werden. Wie ein schwerer Verlust oder massive finanzielle Probleme kann auch eine im Prinzip erwünschte Veränderung des Lebens eine depressive Episode auslösen.

Hinzu kommt, dass manche Männer sich von ihrer Partnerin nach der Geburt des Kindes zurückgesetzt fühlen und Eifersuchtsgefühle entwickeln. Auch dies kann zu einem nachhaltigen Stimmungstief führen.

Wenn die Eltern offen darüber reden, was sie beschäftigt, können sie sich gegenseitig darin unterstützen, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Halten die depressiven Verstimmungen jedoch an, kann es ratsam sein, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Stimmt es, dass Männer durch das Geburtserlebnis traumatisiert werden können?

Wie bei jeder Frau hinterlässt eine Geburt auch bei Männern tiefe seelische Eindrücke. Ob ein Mann die möglicherweise schwierige Geburt seines Kindes traumatisch erlebt, hängt vor allem von seiner grundsätzlichen seelischen Stabilität ab.

Männer, die große Angst vor dem Geburtserlebnis verspüren oder sich sorgen, weil sie etwa kein Blut sehen können, sollten darüber mit ihrer Partnerin und der Hebamme sprechen. Möglicherweise ist es dann besser, nicht mit zur Geburt zu gehen.

Bei der Geburt weitet sich die Scheide enorm. Durch das Pressen können Stuhl und Urin abgehen, und es fließt Fruchtwasser gemischt mit Blut. Ob dieser Anblick das sexuelle Empfinden eines Mannes beeinträchtigen kann, ist schwer zu sagen, da es bislang keine diesbezüglichen Studien gibt.

Kommt das Kind heraus, ist der beste Platz des Mannes ohnehin gewöhnlich seitlich oder hinter der Gebärenden, damit er die Hebamme oder das ärztliche Personal nicht behindert. Dort ist seine Sicht auf das Geschehen zwar eingeschränkt. Er kann aber auf diese Weise seiner Partnerin am besten den Rücken stärken - im wahrsten Sinne des Wortes.

Stimmt es, dass auch Männer körperliche Anzeichen einer Schwangerschaft entwickeln können?

Nicht nur Frauen bekommen in der Schwangerschaft einen dicken Bauch. Auch Männern kann dies passieren, und sei es, weil sie das Rauchen aufhören. Darüber hinaus zeigen nicht wenige werdende Väter mehr oder weniger starke "Schwangerschafts-Symptome" wie Appetitlosigkeit, Müdigkeit oder heftige seelische Schwankungen.
Über die physiologischen Ursachen dieses Phänomens ist bislang wenig bekannt. Immerhin wurde an der Memorial University in St. Johns, Kanada, eine kleine Studie mit 34 Probanden durchgeführt, die ergab, dass die untersuchten Männer während der Schwangerschaft ihrer Partnerin das Stresshormon Cortisol und auch das milchbildende Hormon Prolaktin vorübergehend vermehrt produzierten. Unmittelbar nach der Geburt des Kindes sank der Testosteron-Wert bei den Männern um bis zu einem Drittel, was dann mit einem fürsorglichen Verhalten gekoppelt war.

Abgesehen von möglichen hormonellen Einflüssen kann natürlich ein werdender Vater in Erwartung der Aufgaben, die auf ihn zukommen, in Stress geraten. Möglicherweise ist er immer wieder erschöpft und ohne Antrieb und ändert seine Essgewohnheiten (wodurch er zunimmt). Damit will er nicht in "Konkurrenz" zu seiner schwangeren Partnerin treten. Es bedeutet lediglich, dass auch das Vaterwerden tief greifende Veränderungen mit sich bringt, die erst einmal "verdaut" werden wollen.

Die Phänomene einer "mitfühlenden Schwangerschaft" werden unter dem Begriff "Couvade" zusammengefasst. Das Wort bedeutet so viel wie "ausbrüten".

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