Der Beratungsschein

Schwangere Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch erwägen, benötigen eine Beratungsbescheinigung. Sie belegt, dass die Schwangere umfassend beraten wurde. Entscheidet sich die Frau für einen Schwangerschaftsabbruch, muss sie bestimmte Fristen einhalten.

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Der Beratungsschein ist nach der Beratungsregelung Voraussetzung, um rechtswidrig, aber straffrei eine Schwangerschaft abzubrechen. Der Schein belegt, dass die Schwangere nach § 5 und § 6 des Schwangerschaftskonfliktgesetzes (SchKG) beraten wurde. Er wird im Anschluss an die Schwangerschaftskonfliktberatung in einer anerkannten Beratungsstelle oder in einer ärztlichen Praxis mit staatlicher Anerkennung für Schwangerschaftskonfliktberatung ausgestellt. Die Bescheinigung muss den Namen der Schwangeren und das Datum der Beratung enthalten. Die Schwangere kann dennoch gegenüber der Beraterin oder dem Berater anonym bleiben, wenn sie dies wünscht. In diesem Fall stellt ihr eine andere Mitarbeiterin oder ein anderer Mitarbeiter der Beratungsstelle die Bescheinigung aus. Die Bescheinigung sagt nichts über den Inhalt und den Verlauf des Beratungsgesprächs aus.

Vorgeschriebene Fristen

Nach dem Ausstellen der Beratungsbescheinigung müssen mindestens drei volle Kalendertage vergehen, bevor ein Schwangerschaftsabbruch vorgenommen werden kann. Wurde die Schwangere beispielsweise an einem Montag beraten, kann der Abbruch frühestens am darauf folgenden Freitag durchgeführt werden.Dieser Zeitraum ermöglicht es der Schwangeren, ihre Entscheidung zu überdenken.

Mit der Beratungsbescheinigung darf eine Schwangerschaft grundsätzlich bis zur zwölften Schwangerschaftswoche seit der Empfängnis unterbrochen werden. Dies entspricht der 14. Schwangerschaftswoche nach medizinischer Zählweise, welche bei der Ermittlung der Schwangerschaftsdauer nicht von der Empfängnis, sondern vom ersten Tag der letzten Regelblutung ausgeht. Unabhängig von der gesetzlichen Frist ist zu beachten, dass ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch nur bis zum 63. Tag nach der letzten Regelblutung möglich ist. 

Ist die Beraterin oder der Berater nach dem Beratungsgespräch der Ansicht, dass das Gespräch fortgesetzt werden sollte, kann die Beratungsbescheinigung verweigert werden. Dies ist allerdings nur dann zulässig, wenn dadurch die Zwölf-Wochen-Frist (juristische Zählweise) nicht überschritten würde.