Abbruch: Rechtslage und Indikationen

Stellt die Schwangerschaft für die Betroffenen ein schwerwiegendes Problem dar, werden sie sich unter Umständen für einen Abbruch entscheiden. Der Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche ist in Deutschland zwar rechtswidrig, aber in der Regel straffrei.

Wenn durch eine Schwangerschaft für die Frau ein schwerwiegender Konflikt entstanden ist, sollte sie sich so schnell wie möglich an eine Ärztin, einen Arzt oder an eine Schwangerschaftsberatungsstelle wenden. Hilfreich kann dabei auch die Begleitung des Partners sein.

Eine Schwangerschaftskonfliktberatung ist eine von mehreren Voraussetzungen dafür, dass die Entscheidung einer Frau für einen Schwangerschaftsabbruch nicht strafrechtlich verfolgt wird. Der Abbruch ist ein körperlicher und seelischer Eingriff, der die meisten Frauen noch lange psychisch beschäftigt. Er ist eine Notfallmaßnahme – keine Verhütungsmethode.

Die Rechtslage

Nach der in Deutschland geltenden Beratungsregelung ist der Schwangerschaftsabbruch zwar grundsätzlich rechtswidrig, er bleibt aber unter bestimmten Bedingungen straffrei:

  • Die Schwangere muss den Schwangerschaftsabbruch verlangen. Der behandelnden Ärztin oder dem Arzt muss sie durch die Bescheinigung nach § 219, Abs. 2, Satz 2 StGB nachgewiesen haben, dass sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff von einer dafür anerkannten Beratungsstelle hat beraten lassen.
  • Der Schwangerschaftsabbruch muss von einer Ärztin oder einem Arzt vorgenommen werden.
  • Es dürfen seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sein
  • Die Ärztin oder der Arzt, die oder der den Abbruch vornimmt, darf nicht die Schwangerschaftskonfliktberatung durchführen.

Indikationen für den Abbruch

Der Schwangerschaftsabbruch ist nicht rechtswidrig, wenn bestimmte Indikationen vorliegen und ärztlich festgestellt sind:

  • Die medizinische Indikation erlaubt den Schwangerschaftsabbruch, um die Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren abzuwenden, wenn die Gefahr nicht auf eine andere für sie zumutbare Weise abgewendet werden kann. Bei der medizinischen Indikation ist der Abbruch auch nach der zwölften Woche nach der Empfängnis möglich.
  • Die kriminologische Indikation gestattet den Schwangerschaftsabbruch, wenn die Schwangerschaft nach ärztlicher Erkenntnis durch ein Sexualdelikt an der Frau entstanden ist (Vergewaltigung, Delikte des sexuellen Missbrauchs, etwa wenn das Mädchen bei Beginn der Schwangerschaft noch nicht 14 Jahre alt war). Außerdem dürfen seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sein.

Die Methoden

Es gibt zwei Methoden, eine Schwangerschaft abzubrechen: Der operative und der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch.Der operative Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung oder einer kurzen Narkose. Er wird in der Regel ambulant durchgeführt, so dass die Frau danach wieder nach Hause gehen kann. Beim medikamentösen Abbruch werden unter ärztlicher Aufsicht Präparate eingenommen, die innerhalb von zwei bis drei Tagen eine Fehlgeburt bewirken.

Bei späten Schwangerschaftsabbrüchen nach der 22. Schwangerschaftswoche, bei denen das ungeborene Kind außerhalb des Mutterleibes überlebensfähig sein kann, wird in der Regel die Methode des Fetozids angewandt.

Die Kosten

Die Kosten des Schwangerschaftsabbruchs bei medizinischer oder kriminologischer Indikation werden von den Krankenkassen übernommen. Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch nach der Beratungsregelung (§ 218a, Abs. 1 StGB) vornehmen lassen, tragen die Kosten für den Abbruch selber. Die Kosten betragen beim operativen bzw. medikamentösen Abbruch in der Regel zwischen 300 und 400 Euro.

Verfügen Frauen über kein oder nur ein geringes Einkommen, haben sie Anspruch auf die Übernahme der Kosten nach dem Gesetz zur Hilfe für Frauen bei Schwangerschaftsabbrüchen in besonderen Fällen. Die Kosten tragen dann die Bundesländer. Die Leistungen nach diesem Gesetz können bei den örtlich zuständigen gesetzlichen Krankenkassen beantragt werden. Das gilt auch für Frauen, die keiner gesetzlichen Krankenkasse angehören. Die Krankenkasse stellt eine Bescheinigung über die Kostenübernahme aus und übernimmt die finanzielle Abwicklung mit dem zuständigen Bundesland. 

Die Leistungen erstrecken sich auf die Kosten des Schwangerschaftsabbruchs selbst und die medizinisch erforderliche Nachbehandlung bei komplikationslosem Verlauf. Für alle anderen Kosten wie die Untersuchung zur Feststellung der Schwangerschaft oder bei Komplikationen ist die Krankenversicherung zuständig.