Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch

Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch erfolgt unter strenger ärztlicher Aufsicht. Die gesundheitlichen Risiken sind geringer als bei einem operativen Eingriff. Der medikamentöse Abbruch ist bis zum Ende der neunten Schwangerschaftswoche möglich.

Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch erfolgt mit dem Präparat Mifegyne. Er ist seit dem 01.07.2008 bis zum 63. Tag nach dem ersten Tag der letzten Regelblutung möglich. Das Präparat ist nicht in Apotheken erhältlich, sondern wird ausnahmslos in dafür berechtigten Einrichtungen unter strenger ärztlicher Kontrolle verabreicht.

Das Präparat ist nicht mit der „Pille danach“ zu verwechseln. Sie wird eingenommen, wenn nach einem ungeschützten Sexualverkehr eine Schwangerschaft verhindert werden soll. Die Wirkungsweise der „Pille danach“ beruht auf der Unterdrückung oder Verzögerung des Eisprungs.

Das Präparat Mifegyne enthält den Wirkstoff Mifepriston. Mifepriston hemmt die Wirkung des Progesterons, das unter anderem zur Erhaltung einer Schwangerschaft notwendig ist. Zudem bewirkt Mifegyne eine Erweichung und Öffnung des Gebärmutterhalses. Nach Einnahme des Präparats in einer Praxis oder Klinik darf die Frau nach Hause gehen.

Zusätzlich müssen 36 bis 48 Stunden später – unter ärztlicher Aufsicht, ambulant oder in einer Klinik – Prostaglandine entweder als Vaginalzäpfchen verabreicht oder in Tablettenform eingenommen werden. Als wehenförderndes Präparat lösen diese mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Fehlgeburt aus.

Nach Verabreichung der Prostaglandine bleibt die Frau noch etwa drei Stunden unter ärztlicher Beobachtung. Auch danach sollte sie nicht allein sein, um bei etwaigen Kreislaufproblemen schnell Hilfe zu haben.

In den meisten Fällen findet während dieser Zeit die Ausstoßung des Embryos statt. Wenn es nach drei Stunden noch nicht zu einem Abbruch gekommen ist, kann eine zweite Prostaglandingabe erfolgen. Dies ist etwa bei jeder vierten Frau der Fall.

Ein späterer Besuch in einer Arztpraxis oder einer Klinik dient der Nachuntersuchung. Diese ist unbedingt erforderlich, um sicherzustellen, dass die Schwangerschaft vollständig beendet wurde.

In der Regel hat der medikamentöse Abbruch Blutungen zur Folge, die rund 14 Tage anhalten können. In dieser Zeit sollten keine Tampons verwendet und auf Vollbäder und auch auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden.

Gegenanzeigen

Die Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern wie Schweden, Großbritannien und Frankreich zeigen, dass die gesundheitlichen Risiken geringer sind als bei einem operativen Eingriff. Es gibt jedoch einige Fälle, in denen das Präparat nicht angewendet werden darf:

  • Bei chronischen Nebennierenerkrankungen,
  • bei schwerem Asthma,
  • bei bekannter Allergie gegenüber Mifepriston oder einem anderen Bestandteil der Tabletten,
  • bei bekannter Unverträglichkeit von Prostaglandinen.

Gesundheitliche und psychische Aspekte

Der hormonelle Abbruch gilt als die körperlich schonendere Methode. Seelisch kann der medikamentöse Abbruch jedoch belastender sein. Im Vergleich zum operativen Abbruch handelt es sich um einen recht langwierigen Vorgang, den die Frau in allen Phasen bewusst miterlebt. Dieses direkte Erleben kann manchen Frauen die seelische Verarbeitung des Abbruchs erleichtern, für andere gilt das nicht. Jede Frau hat die Möglichkeit zu entscheiden, welcher Weg der richtige für sie ist.

Beratung

Die gesetzlichen Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch gelten auch für den medikamentösen Abbruch. Eine Bescheinigung über die entsprechende Beratung muss also auch hier vorgelegt werden. Da nicht alle Frauenärztinnen und Frauenärzte einen medikamentösen Abbruch anbieten, empfiehlt es sich, bei Beratungsstellen nach geeigneten Adressen nachzufragen.