Will ich Vater werden?

Auch bei einer ungewollten Schwangerschaft kommen in den weitaus meisten Fällen Mann und Frau zu einer einvernehmlichen Lösung. Der Weg dorthin ist aber nicht immer leicht.

Die meisten Männer freuen sich, wenn sie erfahren, dass sie ein Kind gezeugt haben. Gleichwohl bricht nicht jeder Mann sogleich in Jubel aus. Vielleicht stimmt es in der Beziehung nicht (mehr). Oder beide befinden sich im Augenblick in einer beruflichen Situation, die alle Kräfte erfordert. Oder ein Kind entspricht aus anderen Gründen nicht dem aktuellen Lebensplan.

Umfragen zeigen, dass viele Kinder ungeplant kommen, was nicht gleichbedeutend ist mit ungewollt. Aber bei weitem nicht immer sagen zwei Menschen: „Jetzt stimmt alles, jetzt möchten wir ein Baby!“ Angesichts einer unerwarteten Schwangerschaft werden alte Gewissheiten, Vorhaben und Absprachen möglicherweise auf einen Schlag hinfällig. Die Frage „Will ich Vater werden?“ verlangt nun keine allgemeine Antwort mehr, sondern eine ganz konkrete.

Bin ich soweit?

Die Frage, ob ein Mann oder eine Frau für das Leben mit einem Kind bereit ist, stellt sich in einer funktionierenden Partnerschaft gewiss anders als in einer Beziehung, die noch nicht gefestigt ist oder in der es gerade kriselt.

Männer tun gut daran, sich zu fragen, was diese Schwangerschaft für sie persönlich bedeutet, auch wenn am Ende die Frau das letzte Wort hat und haben muss, ob sie das Kind bekommt oder nicht. Der Mann muss sich über seine Gedanken klar werden. Welche Vorstellungen hat er von seinem eigenen Leben? Welche vom gemeinsamen zukünftigen Leben? Was für ein Vater möchte er sein? Was traut er sich als Vater zu?

Natürlich spielt auch eine Rolle, welche Vorstellungen die Partnerin vom gemeinsamen künftigen Leben hat: Geht sie von einer gleichmäßigen Verteilung der Aufgaben aus? Lassen sich ihre Vorstellungen mit den eigenen Zukunftsplänen vereinbaren?

Bei Männern stehen häufig Bedenken im Vordergrund, ob sie eine Familie finanzieren können. Daneben fragen sie sich oft, ob sie bereit sind, für ein Kind auf persönliche Freiheiten zu verzichten.

Möglicherweise ist die Schwangerschaft auch das Ergebnis einer neuen Beziehung oder flüchtigen Bekanntschaft, so dass die Aussicht auf ein Kind mit einer noch nicht vertrauten Frau erschreckt.

Eine besondere Rolle spielen zudem die Erfahrungen mit dem eigenen Vater: Hat er sich für seine Kinder interessiert? War er nahe und greifbar? Hat er gegenüber seiner Familie grundsätzliche Freude und Stolz ausgestrahlt – auch wenn die Lage mal schwierig war? Männer, die den eigenen Vater so erlebt haben, neigen eher zu positiven Vorstellungen von der eigenen Vaterschaft. Männer, die diese positiven Erfahrungen mit dem eigenen Vater nicht haben, sollten sich damit auseinander setzen. Wichtig ist, sein eigenes Bild von Vaterschaft zu entwickeln.

Die Entscheidung

Mag sein, dass die erste Reaktion auf die Nachricht, ein Kind gezeugt zu haben, ein verzweifeltes „Nein, ich will nicht!“ war. Andere sind überglücklich und der Traum endlich Vater zu werden rückt in greifbare Nähe. Wichtig ist es, sich über seine Gefühle klar zu werden, auch wenn sie sich widersprechen (Freude, Angst, Unsicherheit, Stolz, Ablehnung…). Das Für und Wider richtig auszuloten erhöht die Chance, dass man auch später noch zu seiner Entscheidung stehen kann.

Oft haben sie vorschnell auf den Abbruch der Schwangerschaft gedrängt und die Frau unter Druck gesetzt. Erst spät kommt dann die Erkenntnis, dass sie seinerzeit die Chance verpasst haben, über sich und ihr Leben einmal ganz neu nachzudenken. Deshalb ist es wichtig, sich zu fragen, was denn für das Kind spricht.

Erfahrungen aus der Beratung zeigen, dass Männer, die sich mit ihren Gefühlen in einem Schwangerschaftskonflikt nicht ausreichend befassen, später häufig Probleme mit ihrer Entscheidung haben. Manchmal werden sie nach Jahren plötzlich von Gewissensbissen und Reuegefühlen überfallen oder einer (scheinbar) unerklärlichen Trauer geplagt.