Schwangerschafts(konflikt)beratung: Auch für Männer

Auch Männer können sich kostenlos zu allen Fragen der Familienplanung und einer Schwangerschaft fachlich beraten lassen. Dabei kann es ebenso um Hilfen zu einer Familiengründung gehen wie um die Unterstützung in einem Schwangerschaftskonflikt.

Um eine Beratung in Anspruch nehmen zu können, muss ein Mann nicht unbedingt einen Schwangerschaftskonflikt haben. Laut Schwangerschaftskonfliktgesetz kann jeder Mann sich rund um die Themen Sexualität, Familienplanung und Schwangerschaft informieren und beraten lassen – ob bei einem freien, kommunalen oder kirchlichen Träger, ob allein oder mit der Partnerin.

Die Beratungsstellen unterstützen zudem im Umgang mit Behörden. Außerdem können hier alle Fragen zur vorgeburtlichen Diagnostik besprochen werden.

Beratung im Konfliktfall

Es gibt viele Gründe, weswegen Männer eine Schwangerschaftsberatungsstelle aufsuchen können. Das kann der Wunsch nach einem verständnisvollen Gespräch sein, etwa wenn es wegen der Schwangerschaft Konflikte in der Beziehung gibt. Vielleicht ist die Vaterschaft unklar, oder der Mann ist unsicher, ob er Vater werden möchte. Oder was tun, wenn er das Kind möchte, sie aber nicht?

Eine Schwangerschaftskonfliktberatung soll zum Austragen einer Schwangerschaft ermutigen, ist aber – auch wenn die Schwangere das letzte Wort hat – im Prinzip ergebnisoffen. Sie kann zu der Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch führen oder in eine Familiengründungsberatung übergehen: Wie kann das Leben mit einem Kind aussehen? Wollen Mann und Frau das Kind gemeinsam erziehen? Wie lassen sich die Finanzen während der Schwangerschaft und danach sichern, und wie lassen sich für Mann und Frau Familie und Beruf miteinander vereinbaren? Was regelt das Unterhalts- und Umgangsrecht?

Gemeinsam zur Beratung?

Sind Mann und Frau zu einer fairen Auseinandersetzung bereit, kann eine gemeinsame Beratung zu einer einvernehmlichen Lösung beitragen: Was soll aus der ungewollten oder zwiespältig empfundenen Schwangerschaft werden? Unterschiedliche Interessen können zur Sprache gebracht und ausgelotet werden. Verhärtete Fronten können sich auflösen. Was man sich bisher nicht zu sagen traute, kann ausgesprochen werden.

Was es bedeutet, die Verantwortung für eine ungewollte Schwangerschaft zu übernehmen, ist eine äußerst schwierige Frage. Oft kann die Beratung dabei helfen, Verständigungsschwierigkeiten zu überwinden. Etwa wenn der Mann betont, die Entscheidung liege allein bei der Frau, weil er sie nicht bedrängen wolle. Die Frau aber fühlt sich zu seiner Überraschung allein gelassen und wünscht sich eine klare Position von ihm.

Allein zur Beratung?

Männer können auch allein eine Schwangerschaftskonfliktberatung in Anspruch nehmen. Manchmal fällt es Männern dann leichter, frei anzusprechen, was sie bedrückt. Nicht selten kommen sie erst in der Ruhe der Beratung dazu, sich mit ihren möglicherweise widerstreitenden Gefühlen gegenüber der nicht geplanten Vaterschaft auseinander zu setzen.

Oft geht es zunächst einmal darum, das Gefühlschaos zu lichten. Sind die Partner uneinig darüber, was geschehen soll, fühlen Männer sich der Schwangeren oft vollkommen ausgeliefert. Ihre Ohnmachtgefühle beherrschen sie mitunter so sehr, dass sie nicht mehr ein noch aus wissen. In der Beratung finden sich dann oft überraschende Wege aus der Ohnmacht.

Hegt der Mann (heimliche) Zweifel an seiner Vaterschaft, erfährt er hier alles, was er zur Klärung dieser Frage wissen muss.

Neutralität gewährleistet

Da es sich in den meisten Fällen um Beraterinnen handelt, befürchten Männer mitunter, dass die Beraterin nur die Position der Frau vertritt und zusätzlichen Druck auf ihn ausübt. Davon ist jedoch nicht auszugehen.

Die professionellen und gegenüber der Frau und dem Mann zur Neutralität verpflichteten Beraterinnen wissen, wie weit reichend die Entscheidung für oder gegen ein Kind ist. Es wäre sinnlos, einen von beiden unter Druck zu setzen. Eine auf diese Weise zustande gekommene Entscheidung hätte keinen Bestand.